Klitschko im Ring

Vitali Klitschko möchte Bürgermeister von Kiew bleiben. Bild: dpa

Bürgermeister Vitali Klitschko stellt sich in Kiew zur Wiederwahl. In den ersten anderthalb Amtsjahren hat der Ex-Boxer viel angestoßen. Aber reicht das für ein zweites Mandat? Das Amt gilt als Schlüsselposten in der krisengeschüttelten Ukraine.

Im weißen Hemd steht der frühere Boxweltmeister vor der Schule Nr. 128 in Kiew. Bürgermeister Vitali Klitschko weiht zum Beginn des neuen Schuljahrs die "beste und modernste Schule in Kiew" ein. Lächelnd setzt sich der 44-Jährige auf die Treppe hinter einem Kinderchor in traditionell bestickten Hemden. "Jetzt sind wir Erstklässler, hurra!", singen sie.

Kurz inspiziert Klitschko den Sportplatz, dann muss er weiter. Sein Terminplan vor der Bürgermeisterwahl am Sonntag ist eng getaktet. Die Herausforderer des Stadtoberhaupts, das erst gut ein Jahr amtiert, versprechen ihm einen harten Kampf. Es geht um viel: Das Bürgermeisteramt ist ein Schlüsselposten in der krisengeschüttelten Ex-Sowjetrepublik. Wer im Rathaus von Kiew sitzt, hält viele Schalthebel der Macht in Händen. Er wolle Kiew zu einer modernen europäischen Metropole machen, sagt Klitschko. "Alles sofort zu ändern, ist unmöglich - aber wir ändern schrittweise und mit konkreten Taten unsere Stadt." Ob der Kampf um sauberes Trinkwasser, um Radwege oder den Abbau illegaler Kioske: Viele Baustellen säumen Klitschkos Weg zur angestrebten Wiederwahl. Klitschko hätte gerne von Beginn an die üblichen fünf Jahre im Rathaus der Millionenmetropole gehabt. Doch er kam bei vorgezogenen Wahlen ins Amt. Und die Verfassung schreibt eine reguläre Abstimmung alle fünf Jahre am letzten Oktobersonntag vor.

Der Schwung der proeuropäischen Proteste auf dem Unabhängigkeitsplatz (Maidan) in Kiew im Winter 2013/14 hatte Klitschko ins Rathaus gebracht. An einer Politkarriere in seiner Heimat hatte der damalige Chef der Partei Udar (Schlag) aber schon vorher gebastelt. Als dann der Machtwechsel feststand, wollte der Zwei-Meter-Mann kurzzeitig sogar Präsident werden. Er verzichtete zugunsten des Unternehmers Petro Poroschenko - und sicherte sich damit das Wohlwollen des jetzigen Staatschefs. Poroschenko unterstützt Klitschko im Wahlkampf.

Klitschko gilt als Favorit - aber nicht als unbesiegbar. Als stärksten Konkurrenten im ersten Durchgang sehen Umfragen Alexander Omeltschenko, der bereits von 1999 bis 2006 Bürgermeister war. Er präsentiert sich als "Macher", verspricht soziale Gerechtigkeit, die Senkung von Kommunaltarifen und ein Ende illegaler Bauten. Experten verweisen darauf, dass der 77-Jährige für den jugendlich wirkenden Klitschko der leichteste Gegner in einer zweiten Runde sein könnte. Gefährlicher sei der fraktionslose Abgeordnete Borislaw Beresa, heißt es. In Lauerstellung liegt auch Wladimir Bondarenko, der Kandidat von Julia Timoschenkos Vaterlandspartei. Die zuletzt gestiegene Beliebtheit der Ex-Ministerpräsidentin könnte sich auf Bondarenko übertragen. Ihre Partei hat eine starke Wählerbasis in Kiew.

Abzuwarten bleibt, ob Klitschko seine Wählerschaft mobilisieren kann. Experten erwarten eine niedrige Beteiligung. Auch aufgrund der vielen unentschlossenen Wähler sind Überraschungen nicht ausgeschlossen. Insgesamt ringen 29 Kandidaten um die Gunst der mehr als zwei Millionen Wähler. Erhält keiner von ihnen die absolute Mehrheit, wird am 15. November eine Stichwahl der beiden Bestplatzierten fällig.
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