Kommentar von Alexander Pausch
Ein weiterer Krieg nützt weder Hisbollah, noch Iran oder Israel

Fröhlicher Radler. Karikatur: Tomicek
Es wäre nicht das erste Mal, dass sich aus einem Zwischenfall an der libanesisch-israelischen Grenze ein Krieg entwickelt. Doch einen Waffengang wie vor neun Jahren, als die israelische Armee zum letzten Mal auf einen Angriff der schiitischen Hisbollah-Miliz mit einer Invasion des Nachbarlandes antwortete, kann jetzt kein Beteiligter gebrauchen.

Hisbollah ist mit Tausenden Kämpfern im Bürgerkrieg in Syrien gebunden, was ihre Resourcen strapaziert. Iran, die Schutzmacht der Miliz, sucht mit dem Westen eine Verständigung über sein Atomprogramm. Ein Krieg mit Israel könnte diese Aussöhnung noch weiter erschweren. Zumal der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu alles daran setzt, den republikanisch dominierten Kongress in Washington dazu zu bringen, weitere Sanktionen gegen Teheran zu verhängen.

Die israelische Regierung dürfte wissen, dass sie Hisbollah zwar militärisch schwächen, aber nicht vernichten könnte. Netanjahu ist ein Hardliner, aber kein Abenteurer. Und ein Zwei-Fronten-Krieg - mit Hisbollah im Norden und Hamas im Süden - würde ihm im Wahlkampf kaum helfen.

Doch das Bittere an der blutigen Gewalt im Nahen Osten ist, dass sie den Akteuren immer wieder dazu dient, ihr Gesicht zu wahren. Hisbollah suchte Rache für den israelischen Angriff auf eine ihrer Patrouillen im syrischen Teil des Golan. Obwohl es diese Patrouillen dort laut Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah gar nicht gibt. Nun droht Netanjahu seinerseits.

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