Kommentar von Stefan Zaruba
Abrüsten und aufrüsten: Das G36 war nicht mehr zu halten

Gehört das G36 bald zum "alten Eisen"? Nein, es ist zu viel Kunststoff an der Waffe. Haha - und damit genug gekalauert, auch wenn das Thema viel Munition für Spott böte. Die Angelegenheit ist zu ernst, schließlich geht es um eine tödliche Waffe. Und auch um die Ausrüstung, die das Leben ihres Besitzers und dessen Kameraden schützen soll. Und möglicherweise um Versagen in der Politik und der Bundeswehr.

Ursula von der Leyen wählt die große Lösung und mustert das Gewehr endgültig aus. Das ist eine richtige Entscheidung, wenn an der Präzision heftige Zweifel bestehen. Wer nur mit der zweitbesten Waffe ins Feld zieht, kann dort sehr schnell als zweiter Sieger enden. Das hat sich herumgesprochen, seit die ersten Schwertkämpfer der ausgehenden Bronzezeit auf Gegner mit Eisenklingen trafen.

Die Bundeswehr ist eine Truppe im Einsatz geworden. Das wollte die deutsche Politik so. Damit muss sie aber auch dafür Sorge tragen, dass die Soldaten, die sie an Brennpunkte rund um den Globus schickt, das beste Material haben. Klagen über Mängel gibt es seit den Balkan-Einsätzen in den 1990er Jahren. Damals hakte es beim Funk oder den in die Jahre gekommenen Flugzeugen. Letztere blieben eine Dauerbaustelle.

Auch über das Gewehr G36 kamen alarmierende Meldungen - aus dem ungleich gefährlicheren Afghanistan. Aber warum musste erst das harte Gefecht Zweifel an der Waffe zutage fördern? Und warum dauerte es so lange, bis die Hinweise an oberster Stelle Gehör fanden? Das muss noch geklärt werden. Nicht für eine Schlammschlacht oder um eine renommierte Waffenschmiede bloßzustellen. Es geht darum, mögliche Fehler nicht zu wiederholen.

stefan.zaruba@derneuetag.de
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