Kommentar zu Afghanistan
Afghanen leiden unter Gewalt und Korruption

Frieden in Afghanistan? Davon ist das Land auch 15 Jahre nachdem die USA und die übrigen Nato-Mitglieder ihre Jagd auf die Drahtzieher der Terroranschläge vom 11. September 2001 begannen weit entfernt. Am 7. Oktober 2001 bombardierten erstmals Flugzeuge Stellungen von Al Kaida und Taliban. Spezialtruppen, darunter deutsche, suchten nach Osama bin Laden und seinen Helfern. Binnen weniger Wochen war das Land in der Hand westlicher Truppen und ihrer afghanischen Verbündeten.

Davon kann heute keine Rede mehr sein. Afghanistan ist wieder gespalten, die Zentralregierung schwach oder willenlos. In vielen Orten haben Taliban oder andere Extremisten das Sagen. Die Gewalt explodiert. Die Zahlen der verletzen und getöteten Zivilisten steigt. 2016 registrieren die Vereinten Nationen erneut Höchststände.

Erst am Wochenende schreckte die Meldung auf, dass die Taliban versuchen, die Provinzhauptstadt Kundus im Norden zu überrennen. Zum zweiten Mal binnen eines Jahres und drei Jahre, nachdem die Bundeswehr die Verantwortung für die Region an die afghanischen Kräfte übergeben hat. Jene Region, in der Dutzende deutsche Soldaten im Gefecht verletzt wurden oder ihr Leben verloren - darunter auch Oberpfälzer.

Die Nato hat ihre Präsenz zu früh reduziert - getrieben von US-Präsident Barack Obama, der dem irrationalen "Rein da" seines Vorgängers George W. Bush ein ebenso irrationales "Nur raus da" entgegensetzte. Nicht der letzte Fehler in einer Reihe von Versäumnissen. Von Anfang an hat es der Westen beispielsweise versäumt, die Korruption zu bekämpfen.

Die Folge: Auch von den nun versprochenen 15 Milliarden Dollar wird ein Teil in dunkle Kanäle geleitet werden. Dieses Geld fehlt im Land. Ohne Entwicklung, ohne Aufschwung wächst die Perspektivlosigkeit in Afghanistan. Am Ende werden noch mehr ihr Glück außer Landes suchen, unabhängig davon, wie viele Tausende Europa zurückschickt.

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