Kommentar zu Aleppo
In Syrien beugt sich der Westen der Sicht Wladimir Putins

Es wäre nicht das erste Mal, dass die russische Armee im Kampf gegen Aufständische eine Stadt dem Erdboden gleichmacht. Kurz nach der Jahrtausendwende schreckten die Bilder des zerstörten Grosny die Welt auf. Im zweiten Tschetschenien-Krieg zeigte die russische Führung um Wladimir Putin, wozu sie willens und fähig ist. Im Jahr 2003 nannten die Vereinten Nationen Grosny die am meisten zerstörte Stadt. Nach zwei Kriegen war kaum ein Gebäude unbeschädigt oder nicht zerstört. Auf Zivilisten nahm Moskau keine Rücksicht.

Längst laufen syrische Städte der Metropole im Kaukasus den Rang ab. Allen voran Aleppo. Doch die Welt hat sich mit dem Sterben und Leiden in Syrien abgefunden. Die verzweifelten Hilferufe aus Aleppo verhallen ebenso ungehört wie die regelmäßigen Mahnungen der Internationalen Hilfsorganisationen. Alle in den westlichen Hauptstädten wissen, dass in Aleppo "niemand und nichts sicher ist", wie der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, Peter Maurer, sagt. Von Washington über London, Paris und Berlin wissen auch alle, dass in Syrien, wie Maurer beklagt, "einer der zerstörerischsten Konflikte der Neuzeit" tobt.

Das weiß auch der russische Präsident Putin. Doch außer ihm ist niemand bereit, wegen Syrien in den Krieg zu ziehen. So muss sich die Welt seiner Sicht beugen. Diese kennt nur Terroristen und fordert Unterwerfung. So wie in Grosny. Für Putin und sein Russland gibt es viel zu gewinnen. Einfluss in einer Region, in der Moskau seit Jahrzehnten ausgebootet war, und neue Partner, wie der Start russischer Bomber aus Iran zeigt, sowie neue Vasallen.

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Stefan Kreuzeck aus Pfreimd | 18.08.2016 | 11:06  
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