Kommentar zu Andreas Scheuer
Hände weg von „unserem“ Flüchtling

Der Mann aus dem Senegal spielt für den dauerkriselnden Dorfverein Fußball, hat vielleicht gerade das entscheidende Tor im Derby gegen den Nachbarort geschossen. Außerdem ministriert er sonntags in der Messe, hat die christlichen Werte tief verinnerlicht.

Andreas Scheuer bedauert nun, diesen fiktiven Mann nicht "loswerden" oder "abschieben" zu können. Egal welche der kolportierten Formulierungen er nun benutzt hatte: Ein schlechteres Beispiel für die schnellere Abschiebung von Flüchtlingen hätte der CSU-Generalsekretär nicht wählen können.

In der Tradition seiner Vorgänger agiert Scheuer als Einpeitscher, der Reizthemen zuspitzt und dabei auch bewusst übers Ziel hinausschießt. Aber immer entlang des Kurses der CSU. Scheuer nahm einen Sturm der Empörung in Kauf, der zugleich potenzielle Wähler ansprechen sollte. Ein weiterer kalkulierter Krawall des Aschermittwoch-gestählten Passauers - Provokation meist gelungen. Aber dieses Mal ist es anders.

Scheuers abfälliger Zungenschlag trifft auch die engagierte Sozial- und Integrationsarbeit der Kirche. Zu einer Zeit, in der Horst Seehofers harter Kurs in der Flüchtlingspolitik die Partei von Teilen ihrer religiös verwurzelten Stammwählerschaft mehr und mehr entfernt. Viele Gemeinden haben zudem einen solchen - realen - "Senegalesen" in ihrer Gemeinschaft.

Mehr gelebte bayerische Leitkultur wie bei Scheuers unfreiwilligem Musterbeispiel für gelungene Integration geht nicht. Ein anonymer Wirtschaftsflüchtling hätte wohl kaum zu so heftigen Reaktionen geführt. Scheuer hat ihm als ministrierender Fußballer ein Gesicht, eine Geschichte und ein Umfeld gegeben. Und er hat sich damit selbst ins Abseits gestellt.

tobias.schwarzmeier@derneuetag.de
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Norbert Gleißner aus Tirschenreuth | 23.09.2016 | 22:25  
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