Kommentar zu Angela Merkel/Anne Will
Millionen drücken die Schulbank

Am Sonntagabend war, neudeutsch gesagt, "Showtime" - Zeit für große Auftritte. In Hollywood standen die Filmstars im Rampenlicht, um die Oscars entgegenzunehmen: Gold, Glitzer, große Worte. In Deutschland saß die Bundeskanzlerin im Rampenlicht, bei Anne Will in der ARD: Gewohntes aus der Gebetsmühle.

Man muss Angela Merkel dafür bewundern, wie sie mit einer Engelsgeduld auf die nicht immer schlauen Fragen antwortete. Fragen wie: "Haben Sie sich das eigentlich auch alles viel einfacher vorgestellt mit der Lösung der Flüchtlingsfrage?" Wie die Lehrerin vor einer Grundschulklasse erklärte sie einmal mehr, warum sie für ihren Kurs in der Flüchtlingspolitik keine Alternative sieht. Im virtuellen Klassenzimmer saßen sechs Millionen Bundesbürger. Wenige Gegner von Merkels Politik dürften nach dieser TV-Regierungserklärung die Seiten gewechselt haben. Mit ihrer gewohnt nüchternen Art, mit ihrem Verweis auf Logik und Vernunft, wird sie Pegida-Anhänger nicht erreicht haben.

Trotzdem ist Merkels Art gerade bei diesem Thema die einzig richtige - auch wenn sie niemanden aus dem Fernsehsessel haut. Für komplexe Probleme gibt es keine simplen Lösungen, die sich in Parolen und Phrasen kleiden lassen. Und was ein Politiker anrichten kann, der das Gegenteil von sachlicher Argumentation anwendet, werden wir vielleicht bald in den USA sehen: Hier nimmt der populistische Aufpeitscher Donald Trump Kurs aufs Weiße Haus. Gott steh' uns bei, falls er dort tatsächlich ankommt.

frank.stuedemann@derneuetag.de
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.