Kommentar zu Barack Obamas Abschied
Ein großer Präsident geht

Barack Obama hat es auf den Punkt gebracht: "Der nächste US-Präsident und ich könnten unterschiedlicher nicht sein", sagte der scheidende Chef des Weißen Hauses am Mittwoch in Athen. Seinen Besuch in Griechenland nutzte der 55-Jährige aber nicht für Seitenhiebe auf seinen designierten Nachfolger. Stattdessen lieferte er eine eloquente, staatsmännische Rede ab, in der er den Glauben an die Demokratie beschwor.

Die sei, "wie alle menschlichen Einrichtungen", nicht perfekt. "Sie kann frustrierend sein", gab Obama zu. Demokratie heiße per Definition, dass man nicht immer 100 Prozent von dem bekomme, was man wolle. Damit sprach er vor allem diejenigen seiner Landsleute an, die den Wahlsieg Donald Trumps noch immer nicht verwunden haben. Aber so ist das in einer Demokratie: Das Ergebnis einer Wahl, so unerwünscht es auch sein mag, akzeptiert man und blickt nach vorn.

Wenn Barack Obama nach vorn blickt, dann sieht er einen verdienten Ruhestand auf sich zukommen. Eine Atempause nach dem wohl aufreibendsten Job der Welt - sein ergrautes Haar und tiefe Falten bezeugen, wie schnell das Amt ihn hat altern lassen. Die politische Realität hatte den charmanten Überflieger schon in seiner ersten Amtszeit auf den Boden zurückgeholt, und so fällt seine Bilanz bestenfalls durchwachsen aus: Den Friedensnobelpreis jedenfalls müsste er eigentlich zurückgeben.

Trotzdem: Wenn Obama im Oval Office das Licht ausknipst, dann geht ein großer Präsident. Ein Mann mit Haltung, ohne Skandale und Affären. Fehlen wird aber auch seine Coolness, mit der er abseits der ernsten Termine die Herzen gewann. Die Hauptaufgabe des Polit-Rentners ist jetzt, seine Frau Michelle dazu zu bewegen, in vier Jahren gegen Trump anzutreten.

frank.stuedemann@oberpfalzmedien.de
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