Kommentar zu Brüssel/Terrorismus
Die Stunde der Scharfmacher

Es ist ein trauriges Ritual geworden: Nach barbarischen Anschlägen wie denen in Brüssel am Dienstag bleibt für Trauer, Anteilnahme, Mitleid und Innehalten kaum Zeit - gefühlt ist es nur ein Wimpernschlag. Wie von einem präzisen Uhrwerk gesteuert schlägt danach sofort die Stunde der Scharfmacher, die die Situation für ihre Zwecke nutzen. Nach dem November-Terror in Paris dauerte es nicht lange, bis sie mit Öl bereitstanden, um es ins Feuer zu gießen.

Wenig überraschend, dass es diesmal unter anderem Frauke Petry ist, die zündelt. Die AfD-Chefin, deren Lebensgefährte und Parteikollege Markus Pretzell ihr gerade im "Bunte"-Interview etwas "dämonenhaft Schönes" attestierte, zog im Gespräch mit dem Sender MDR-Info ihre ganz eigenen Schlüsse aus den Vorfällen in Brüssel: Die Politik müsse zugeben, dass "die verfehlte Migrationspolitik einen Beitrag zur Situation leistet". Schon "rein statistisch" werde das Risiko von Anschlägen durch "unlimitierte Grenzübertritte" erhöht.

Dabei ignoriert Frau Petry freilich, was nicht in ihre Argumentation passt. Dass nämlich die mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge von Brüssel und Paris gebürtige Belgier und Franzosen waren - und keine Flüchtlinge. Im Nachhall der Attentate auch noch mit Statistik daherzukommen, ist zudem bestenfalls zynisch. Nicht die steigende Zahl von Migranten erhöht das Risiko von Anschlägen, sondern die wachsende Zahl von zündelnden Fundamentalisten - auf allen Seiten.

frank.stuedemann@derneuetag.de
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