Kommentar zu CSU/CDU
Manfred Weber, eine Stimme der Vernunft

Manfred Weber hat am Wochenende bestimmt einige erboste SMS von Partiefreunden bekommen. Eigentlich debattiert die Union gerade darüber, ob die Kanzlerin aus Sorge vor einem Pfeifkonzert lieber nicht zum CSU-Parteitag kommen sollte und ob sich CSU-Chef Horst Seehofer aus den selben Gründen die Reise zum Konvent der Schwesterpartei eher sparen wird. Plötzlich stellt sich der 44-jährige CSU-Europapolitiker öffentlich hinter Angela Merkel als Kanzlerkandidatin. Einfach so. Unerhört.

Weber, Fraktionschef der Europäischen Volkspartei EVP, dürfte sich damit wohl den Zorn von christ-sozialen Frontkämpfern wie Markus Söder und Andreas Scheuer zugezogen haben, denen versöhnliche Töne in Richtung Berlin eher nicht in den Kram passen. Mit immer neuen Spitzen scheinen sie den Konflikt mit den Christdemokraten und der Kanzlerin eher am Köcheln halten statt zum Abkühlen bringen zu wollen. Im Streit kann man sich als kleine Schwester eben besser profilieren.

Nun könnte man meinen, dass Weber mit seinen Aussagen pro Angela Merkel auch auf dem aktuellen Kurs von Horst Seehofer liegt, der versöhnliche Signale der Kompromissbereitschaft ans Kanzleramt sendet. Aber leider weiß man beim bayerischen Ministerpräsidenten ja nie, wann seine Stimmung wieder ins Gegenteil umschlägt. Daher ist die Bundeskanzlerin gut beraten, schleunigst zu verkünden, ob sie zur Bundestagswahl 2017 wieder als Spitzenkandidatin antritt. Nur so kann sie auch die Unionsreihen in Bayern zwingen, sich endlich hinter ihr zu schließen.

frank.stuedemann@oberpfalzmedien.de
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