Kommentar zu den Attacken von Köln
Anzeigen, aufklären, anklagen

Die ureigenste Eigenschaft von Emotion: Sie ist spontan, unüberlegt, heftig. Angst oder Wut als erste Reaktion auf schreiende Ungerechtigkeit oder beängstigende Übergriffe sind völlig natürlich. Die Kernkompetenz verantwortungsbewusster Politiker muss aber sein, rational zu handeln. Jede Frau, die Opfer eines sexuellen Übergriffs wurde, bringt hoffentlich den Mut auf, Anzeige zu erstatten - damit das Rudelmobbing von Köln und Hamburg umfassend aufgeklärt werden kann.

Es ist pure Selbstverständlichkeit, dass die Attacken in der Silvesternacht einen völlig inakzeptablen Angriff auf das Grundrecht jedes Menschen auf Unversehrtheit darstellen. Im Übrigen nicht anders als gezielte Grapschereien auf dem Oktoberfest und das Beschießen von Zuschauern mit Pyrotechnik auf dem Fußballplatz. Unabhängig davon, wie das Vorgehen der Polizei nach gründlicher Analyse zu werten sein wird: Der Rechtsstaat wird diese Vorgänge untersuchen und die Schuldigen bestrafen - völlig unabhängig von der Herkunft der Täter. Die aber sollte doch erst mal geklärt werden, ehe man die Konsequenzen für ganze Bevölkerungsgruppen bespricht.

Bis heute ist nicht klar, wer hinter den Sex-Mobs von Hamburg und Köln steckt. Dennoch übertrafen sich bereits nach ersten vagen Meldungen Facebooknutzer genüsslich mit pauschalen Vorverurteilungen. Einiges deutet auf eine Variante organisierten "Antanzens" hin - Taschendiebstahl mit Körperkontakt. Ob darin Flüchtlinge verwickelt sind, wird sich zeigen. Wenn ja, sind sie zur Verantwortung zu ziehen: die Täter, nicht alle Asylsuchenden.

juergen.herda@derneuetag.de
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