Kommentar zu den Hinrichtungen in Saudi-Arabien
Saudis zündeln am Pulverfass –und der Westen schaut zu

An wenigen Stellen der Welt ist es derzeit so gefährlich, Öl ins Feuer zu gießen, wie in der Golfregion. Umso erschreckender ist, dass die Saudis dies sehenden Auges tun. Die Hinrichtung eines prominenten Schiiten musste in Teheran als schwere Provokation verstanden werden. Die 47 Exekutionen angeblicher Terroristen sind mehr als eine Häufung vollstreckter Urteile. Sie sind ein politisches Signal. Ein verheerendes, denn es ist kaum vorstellbar, dass der Iran als mächtiger Konkurrent in der Region und innerhalb der islamischen Welt darauf keine Antwort folgen lässt. Mit den Übergriffen eines Mobs auf Riads Botschaft dürfte es nicht getan sein.

Mit Saudi-Arabien und dem Iran stehen sich zwei hochgerüstete Kontrahenten gegenüber, die sich an religiösem Eifer ebenso zu übertreffen versuchen wie an der Missachtung von Menschenrechten. Dummerweise sind beide Regionalmächte auch die Schlüssel zur Lösung schwerer Konflikte vom Jemen über den Irak bis zu Syrien. Für die Welt steht viel auf dem Spiel, mehr als verhaltene Reaktionen aus den USA und Europa glauben machen.

Richtig erschüttert wirkte der Westen angesichts der saudischen Blutorgie nicht. Das würde der Linie entsprechen, der Regierungen schon länger folgen: Nicht genau hinsehen, aber das Regime aufrüsten. Ein Regime, das man als Partner darstellt - das aber vor allem auf einer riesigen Ölblase sitzt.

stefan.zaruba@derneuetag.de
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