Kommentar zu den Russland-Äußerungen Steinmeiers
"Säbelrasseln" - Was treibt den alten Haudegen?

Wenn Panzer rollen, zumal noch bewusst gen Osten, darf man ein mulmiges Gefühl haben. So wie kürzlich auch beim Brückenschlag von Amerikanern und Deutschen über die Naab mitten in der Oberpfalz. Die Fragen sind absolut berechtigt, wer die Adressaten dieser Botschaft sind, und wie sie diese aufnehmen. Für die mittel- und osteuropäischen Verbündeten bedeutet die Kolonne vor allem auch wegen der US-Tanks: Die Kavallerie steht bereit. Aber was lösen die Manöverbilder in Moskau aus? Wird die russische Führung beeindruckt klein beigeben - oder sieht sie sich in der Opferrolle bestätigt?

Die Nato setzt auf Abschreckung, will Geschlossenheit und Entschlossenheit zeigen. Gemeinsamen Übungen und Konvois soll die Stationierung von Soldaten in Polen und im Baltikum folgen. Dass Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) öffentlich von "Kriegsgeheul" und von "symbolischen Panzerparaden" spricht, ist höchst erstaunlich.

Steinmeier hantiert als Spitzendiplomat seit Jahren mit den heißesten Eisen der Welt. Wenn der alte Haudegen "Säbelrasseln" kritisiert, dann wäre es verwunderlich, hätte er sich nur verplappert. Eine Deutung: Er fällt der Nato bewusst in den Rücken. Die andere: Steinmeier sucht händeringend das Gespräch mit Moskau und nimmt den Eklat in Kauf. Beide beunruhigen. Erstere, weil sie offenbaren würde, wie uneins der Westen ist. Letztere, weil sie ein Hinweis darauf wäre, dass eine Zuspitzung in der Luft liegt.

stefan.zaruba@derneuetag.de
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