Kommentar zu den Wahlen in der Slowakei
Das Original sticht immer das Abziehbild

Die Slowakei hat gewählt und steht vor einem großen Scherbenhaufen. Der Urnengang in dem Fünf-Millionen-Land unter der Hohen Tatra hat eine Konstellation zusammengebracht, die eine Unregierbarkeit befürchten lässt. Dem linkspopulistischen Premier Robert Fico ist seine komfortable Mehrheit und die Möglichkeit einer Alleinregierung verloren gegangen.

Selbst schuld, könnte man sagen. Statt mit dem wirtschaftlichen Aufschwung des Euro-Landes zu argumentieren, schoss er sich im Wahlkampf in erster Linie scharf auf die Flüchtlingspolitik in Brüssel und Berlin ein. Von "muslimischen Horden" sprach er, zeigte letzte Woche bei einem Besuch der griechisch-mazedonischen Grenze keinerlei Mitgefühl mit den dort gestrandeten verzweifelten Menschen. Er habe schon Schlimmeres in seinem Leben gesehen, sagte er eiskalt.

Die slowakischen Wähler sind zwar in ihrer großen Mehrheit auch strikt gegen die Aufnahme von Flüchtlingen. Aber sie votierten bei den Wahlen für Parteien, die sich in dieser Frage verbal noch sehr viel radikaler gebärdeten als die Linkspopulisten Ficos. Die Slowaken scheuten nicht einmal davor zurück, die rechtsextremistische Partei des "Führers" Marian Kotleba zu wählen, deren Parolen gegen die Flüchtlinge nicht zitierfähig sind.

Auch wenn die Slowakei ein Stück weg von Deutschland liegt, eine Lehre können aus dem dortigen Wahlausgang auch deutsche Parteien wie etwa die CDU oder noch mehr die CSU ziehen: Es bringt nichts, sich einer diffusen Stimmung beim Wahlvolk anzudienen, wonach das Boot voll ist. Das stärkt nur die Partei rechts von der Union - die AfD. Diese wird als das "Original" in dieser Frage wahrgenommen. Und das Original sticht immer das Abziehbild.

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