Kommentar zu den Zukunftsängsten der Deutschen
Die Angst der Deutschen vor den Monstern unterm Bett

Deutschland geht es gut. Die Lebensqualität ist unbestritten hoch. Wir werden Exportweltmeister. Die Beschäftigung ist so hoch wie lange nicht. Die Perspektiven für den Einzelnen glänzend. Doch trotz wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Stabilität haben Deutsche vermehrt Zukunftssorgen.

Ängste sind etwas diffuses. Schon das kleine Kind fürchtet sich vor dem imaginären Ungeheuer unter dem Bett oder im Kleiderschrank. Selbst das Nachsehen - bei hellem Licht - kann es nicht völlig beruhigen, wenn es dunkel wird und die Gedanken zu kreisen beginnen.

Die Monster in deutschen Schränken sind mächtig, wie etwa die Wahl in Meck-Pomm zeigt. Zumal, wenn sie großgeredet werden. Denn alle in der Allensbach-Studie erwähnten, angstmachenden Punkte wie Terror, Ungerechtigkeit, Fremdenfeindlichkeit und/oder -freundlichkeit spielten im Wahlkampf eine Rolle. Doch trotz der erschreckenden Vorfälle in München oder Ansbach müssen wir nicht wie Menschen in anderen Ländern um unser Leben fürchten, wenn wir aus dem Haus gehen. Auch die Situation rund um die Migranten hat sich nach einem schwierigen Jahr entspannt.

Die extreme Schere zwischen Arm und Reich und die reformbedürftigen Sozialsysteme sind dringende, reale Probleme, die die Politik angehen muss. Aber vor allem müssen die - angesichts kommender Wahlen in konkreten Sachfragen besonders wortkargen - Regierenden darüber ausführlich und ohne Taktik mit ihren Bürgern reden.

Wie das kleine Kind, das erst ruhig schlafen kann, wenn sein Vater ein Nachtlicht brennen lässt, brauchen die Deutschen mehr Transparenz. Dann schwinden auch die Ängste vor vermeintlichen Monstern.

tobias.schwarzmeier@derneuetag.de
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