Kommentar zu Donald Trump
Moralischer Hochmut über die "Amis" ist völlig fehl am Platz

Eigentlich hatte sich Donald Trump bei seinem dritten TV-Duell mit Hillary Clinton ganz gut im Griff: Bis zu seiner Weigerung, das Votum der Wähler anzuerkennen. Von dunklen Mächten paranoid umgeben, sät Trump Zweifel, dass es bei den US-Präsidentschaftwahlen mit rechten Dingen zugeht. Der Spitzenkandidat der Republikaner versucht auf der letzten Etappe des Wahlkampfs, das Grundvertrauen der Bürger in die demokratischen, freien Wahlen zu erschüttern.

Zu lange hat die Öffentlichkeit den als "Großmaul" und "Clown" belächelten Geschäftsmann unterschätzt. Die Republikaner selber werden nun die Geister nicht mehr los, nach denen sie riefen. Man nehme Trump nur beim Wort, als er schon vor geraumer Zeit die "US-Wahlen im großen Stil manipuliert" wähnte. Man sehe auf sein Wahlkampfteam, das den rechtsradikalen, rassistischen (weißen) Rand bedient und gegen die Juden polemisiert.

Dem Demagogen Trump stehen professionelle Scharfmacher zur Seite. Das Aufstacheln zu Argwohn und Misstrauen in den Wahlausgang hat System; es ist sozusagen die finale Konsequenz seiner Verachtung für die "politische Klasse", die er als "Versager" und "inkompetente Typen, die uns in den Abgrund führen", beschimpft.

Da schließt sich der Kreis zu den Populisten in Europa, die nach dieser Masche die "Wut" der Bürger auf "die da oben" schüren und mit bizarren Verschwörungstheorien Stimmung machen. Moralischer Hochmut über den Zuspruch der "naiven" Amis zum Agitator Trump ist fehl am Platz. Denn die Trumps in Europa heißen Boris Johnson, Marine Le Pen, Björn Höcke oder Beatrix von Storch. Ihre Lügen vergiften das gesellschaftliche Klima und zerstören jenen Konsens, der die Basis jeder Demokratie ist.

clemens.fuetterer@derneuetag.de
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.