Kommentar zu Donald Trump
Trump verspielt die letzten Sympathien

Donald Trump hat verbal scharf geschossen - und zwar über das Ziel hinaus. Ein Satz, der so verstanden werden kann, dass die Waffen-Befürworter seine Gegnerin Hillary Clinton aus dem Weg räumen könnten, geht über die Grenzen eines mit harten Bandagen geführten Wahlkampfes hinaus. Das wollte er damit gar nicht sagen, teilt der Präsidentschaftskandidat der Republikaner später scheinheilig mit. Er habe gemeint, die Waffenbefürworter könnten an den Wahlurnen gegen die Demokratin Clinton und für ihn stimmen. Die ganze Empörung sei ein abgekartetes Spiel.

Dass die Empörung beim politischen Gegner groß ist, dürfte Trump aber nicht wundern. Wird in der Politik ohnehin jedes Wort auf die Goldwaage gelegt, ist die Sensibilität in Wahlkampfzeiten um ein Vielfaches höher. Freilich klingt das gesprochene Wort oft anders als das geschriebene - mal härter, mal weicher. Mal verbindlicher, mal unverbindlicher. Halbsätze, die nicht ausgesprochen werden, wirken vielmals noch gewichtiger. Denn sie implizieren Hinterhältigkeit. All das muss Trump bewusst gewesen sein, als er am Redner-Pult stand. Ein schwerreicher Geschäftsmann, das Rampenlicht liebend, weiß um seine Wirkung und die seiner Worte. Man kann also davon ausgehen, dass Trump wieder einmal gezielt provozieren wollte. Um damit Stimmen zu ködern, egal zu welchem Preis.

Wer sich über weinende Babys beschwert, Eltern von Veteranen beleidigt, über den Gebrauch von Atomwaffen nachdenkt und mit Schüssen auf Gegner kokettiert, verliert schnell Sympathien selbst bei Konservativen. Einen Faktor hat der Milliardär in seiner Rechnung wohl komplett vergessen - die Menschlichkeit.

alexander.raedle@derneuetag.de
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