Kommentar zu Erdverkabelung von Gleichstromtrassen
Die Energiewende gelingt nur, wenn sie sozialverträglich ist

Die größte Überraschung vorab: Auch vier Jahre nach dem Beschluss, aus der Kernenergie auszusteigen, sind die Lichter nicht ausgegangen. Die zweitgrößte Überraschung: Und das obwohl Wirtschafts- und Energiepolitiker nichts auslassen, um die Energiewende gegen die Wand zu fahren.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Es war richtig, den Ausbau von Wind- und Solarenergie zu dämpfen. Fehlentwicklungen wie der Missbrauch besten Ackerlandes für den Bau von Photovoltaikanlagen oder der Bau überdimensionierter Lagerhallen, nur um Module darauf zu installierten, mussten korrigiert werden. Auch war es richtig, der Goldgräber-Mentalität rund um die Windenergie die Spitzen zu nehmen. Denn eine Energiewende, die nicht sozialverträglich ist, verdient diesen Namen nicht. Sozialverträglich heißt in diesem Zusammenhang nicht allein, dass die EEG-Umlage, also die Belastung für die Stromverbraucher, nicht allzu stark steigen durfte. Es heißt auch, Rücksicht zu nehmen, zum Beispiel auf Anwohner und Landschaft.

Horst Seehofer musste viel Häme über sich ergehen lassen. Aber es war sinnvoll, die Mindestabstände zu Windrädern zu erhöhen. Es war eine gute Frage, ob es alle Leitungen zwischen Nord und Süd, die sich die Netzbetreiber wünschen, überhaupt braucht. Und es ist geboten, auf Erdverkabelung zu setzen, auch wenn der Preis hoch ist. Da sind Oberpfälzer Bürger übrigens auch nicht weniger schützenswert als Baden-Württembergische.

Die Korrekturen haben den Ausbau von Wind- und Solarenergie nahezu gestoppt. Das kann nicht so bleiben. Aber die Atempause kommt ganz recht, wenn sie der Erkenntnis dient, dass die Energiewende nicht gelingen kann, wenn sie ein paar Gewinner und viele Verlierer produziert.

albert.franz@derneuetag.de
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