Kommentar zu Gauland/Boateng
Gauland, die AfD und der Alltagsrassismus von nebenan

Man kann und will eigentlich nicht glauben, dass das AfD-Spitzenpersonal zu naiv ist, um saubere Interviews zu geben. Bleibt nur die Annahme, dass es tatsächlich Kalkül ist, was Frauke Petry, Beatrix von Storch und jetzt Alexander Gauland in die Schlagzeilen bringt. Dabei steht ja zu befürchten, dass der Vize-Chef der Rechtsaußenpartei irgendwie Recht hat mit dem, was er nicht gesagt haben will. Gegen den prominenten Jérôme Boateng in der Nachbarschaft dürfte zwar wohl kaum jemand etwas einzuwenden haben. Bei jemandem, der nur dieselbe Hautfarbe hat wie der Fußballstar, sähe die Sache wohl ganz anders aus.

Aber unterstellen wir mal, Gauland hat das, was er nicht gesagt haben will, obendrein nicht so gemeint: Es ist schon ziemlich unklug, überhaupt einen enorm beliebten deutschen Fußballer für solch ein Nachbarschaftsgleichnis zu missbrauchen. Gauland hat dabei unfreiwillig eine altbekannte rechte Haltung ins Licht gerückt, die verlogener nicht sein könnte. Mit erfolgreichen Migranten und deren Kindern ziert man sich gern oder duldet sie zumindest - so lange sie Weltmeistertitel holen oder in den Musikcharts für Umsätze sorgen. Gegen den Rest der Zuwanderer wird polemisiert und gehetzt, gern hinter vorgehaltener Hand oder anonym im Internet. Dabei beansprucht man die Deutungshoheit darüber, welche Menschen - oder welche Religionen - zu diesem Land gehören und welche nicht.

Als Zeichen gegen diesen Alltagsrassismus reicht es nicht, wenn man - wie Frauke Petry - via Twitter betont, dass Boateng "zu Recht Teil der deutschen Nationalmannschaft ist". Das ist nur der lahme Versuch von medialer Schadensbegrenzung. Falls die AfD wirklich den Ruch des Rechtspopulismus loswerden will, muss sie sich etwas besseres einfallen lassen. Aber vielleicht will sie das ja auch gar nicht.

frank.stuedemann@derneuetag.de
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.