Kommentar zu Glyphosat im Bier
Ein bisschen Gift geht immer?

Gut, dass es das Deutsche Reinheitsgebot gibt. Wasser, Malz, Hopfen und Hefe - mehr kommt nicht ins Bier. Außer vielleicht ein verschwindend kleines Bisschen Glyphosat, ein in der Landwirtschaft großflächig eingesetzter Unkrautvernichter. "Besorgniserregend", meint das Umweltinstitut München, das die Spuren des Herbizids in 14 Biersorten gefunden hat. "Panikmache!", rufen die Brauer, die Bauern und der Bundesernährungsminister. Und der Konsument? Der hat - wie immer - kaum eine Chance, sich ein Bild zu machen.

Während die eine Seite warnt, die gesetzlichen Grenzwerte für Pflanzenschutzmittel in Trinkwasser seien im Bier hundertfach überschritten worden, argumentiert die andere Seite, diese Grenzwerte seien in diesem Fall irrelevant. Bier- und Wassertrinker gleichermaßen fragen sich nun, wozu es überhaupt Grenzwerte gibt, wenn deren Überschreitung ohne Folgen bleibt. Wenig tröstlich ist auch der Verweis darauf, dass man schon 1000 Liter Bier täglich trinken müsste, um seine Gesundheit durch Glyphosat zu gefährden. Egal in welcher Konzentration: Solche Chemikalien haben in unseren Lebensmitteln nichts verloren.

Dennoch müssen wir Konsumenten wohl damit rechnen, dass sich nicht nur im Bier, sondern in fast allen industriell hergestellten Lebensmitteln immer wieder Substanzen finden, die dort absolut nicht hingehören. Ob wir uns damit abfinden wollen, oder ob es nicht doch Alternativen gibt, müssen wir am Ende selbst entscheiden.

frank.stuedemann@derneuetag.de
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