Kommentar zu Großbritannien
David Cameron riskiert auch das britische Königreich

Es bleibt beim Sonderstatuts Großbritanniens innerhalb der Europäischen Union - zumindest bis zum 23. Juni. Ob die Mitgliedschaft über diesen Tag hinaus verlängert werden wird, entscheiden die Briten an den Wahlurnen. David Cameron will sie davon überzeugen, für einen Verbleib in der Europäischen Union zu stimmen. Wie dem britischen Premier das gelingen soll, bleibt sein Geheimnis.

Der Tory-Politiker hat bereits als Oppositionsführer die anti-europäischen Kräfte gestärkt - in seiner Partei und im Land. Daran hat er festgehalten, seit er 2010 in Downing Street 10 eingezogen ist. Sein Motiv: innenpolitisches Machtkalkül.

Nun kommt die 180-Grad-Wende. Ob ihm dabei die politische Inszenierung von Brüssel hilft, ist zweifelhaft. Trotz seines kraftmeierischen Auftretens kommt Cameron mit wenig nach Hause was Europa-Skeptiker überzeugen könnte, wie das Beispiel seines Parteifreundes, des Londoner Bürgermeisters Boris Johnson, zeigt.

Cameron agiert als Hasardeur. Verliert er das Referendum, sind seine Tage als Premier gezählt. Er würde als der Regierungschef in die Geschichte eingehen, der das Königreich nicht nur aus der EU gesteuert, sondern es auch noch gesprengt hat. Die Schotten wollen die EU. Sie dürften nach einem Nein in die Unabhängigkeit streben.

Am ehesten könnte die Briten eine EU überzeugen, die die großen Probleme löst. Dazu zählt die Flüchtlingskrise. Doch dabei wird Cameron nicht helfen. Daran sollten sich die übrigen 27 Staaten gewöhnen. Bleibt Großbritannien in der EU, geht die britische Rosinenpickerei weiter. Die EU muss hoffen, dass nicht andere dem britischen Beispiel folgen. Kandidaten gibt es im Osten einige.

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