Kommentar zu Incirlik
Bei Abzug der Bundeswehr „Begleitschaden“ für die Allianz?

Eine Retourkutsche ergibt die nächste. Weil Deutschland türkischen Soldaten Asyl gewährt, verweigert die Türkei den Bundestagsabgeordneten den Besuch der Luftwaffen-Basis in Incirlik. Im Gegenzug prüft die Bundesregierung den Abzug der "Tornado"-Aufklärungsflugzeuge. Die Bundeswehr wäre nicht nur vom Einsatzgebiet weiter entfernt: Die Verlegung der Maschinen nach Jordanien stünde wohl auch im Zusammenhang mit den "Awacs"-Flugzeugen, deren Besatzungen die Bundeswehr zu einem Drittel stellt. Ihr Rückzug würde vor allem die Nato-Partner im Kampf gegen den Islamischen Staat treffen, weniger die Türkei.

Die türkische Regierung wird der Bundeswehr bei einem Weggang keine Träne nachweinen: "Wenn sie gehen wollen, werden wir Tschüss sagen", erklärt Außenminister Mevlüt Cavusoglu schnippisch. Kein Wunder, war doch der Kurs Erdogans gegenüber dem IS bis in jüngste Zeit zwiespältig. So sehr die Gehässigkeiten und Kränkungen aus Ankara nach einer deutlichen Antwort verlangen: Bei einer solchen Reaktion wäre der "Begleitschaden" für die Militär-Allianz gegen den IS schwerwiegend.

Der nächste Krach steht ins Haus, wenn Erdogan (wie angekündigt) über die Todesstrafe abstimmen lässt - und die Bundesregierung die Wahl in Deutschland untersagt. Die Frage ist erlaubt, mit welchem Langmut die Politik dem langen Arm Erdogans in die türkische Gemeinschaft hinein, einem Staat im Staate, noch zuschaut.

clemens.fuetterer@oberpfalzmedien.de
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