Kommentar zu Katholikentag/AfD
AfD schlachtet Opferrolle aus

Der Katholikentag in Leipzig will der AfD kein Forum geben. Auf den Podien wird nur über diese rechte Partei diskutiert, nicht mit ihr. Die Entscheidung der Katholikentags-Oberen mag politisch korrekt sein: Aber ist sie wirklichkeitsnah und der Debatten-Kultur förderlich? Die AfD schmückt sich zu einem nicht geringen Teil mit vermeintlich christlichen Konservativen (und angeblich konservativen Christen), die sich nicht mehr durch die C-Parteien repräsentiert fühlen. Sollte es nicht Aufgabe der Kirche als unabhängige moralische Instanz sein, dieses Misstrauen nicht weiter zu bestärken?

Die AfD gibt sich als vaterländische Partei und beschwört unscharf "Werte des christlichen Abendlands". Genau da gehören die AfD-Spitzenpolitiker in Diskussionen gestellt. In einem entlarvenden Interview mit der "Zeit" setzt AfD-Vize Alexander Gauland auf Total-Opposition ("wir wollen nicht irgendeine Verantwortung"). "Sie müssen doch als Konservativer das Wohlergehen des Landes im Kopf haben", sagt der Reporter. Darauf Gauland: "Irgendwann wird man diese Frage beantworten müssen. Aber im Moment sehe ich das nicht."

Gerade die AfD wirft der "politischen Klasse" ein vaterlandsloses Handeln vor - und fischt erfolgreich Stimmen aus dieser auf national getrimmten Protesthaltung. Mit solch skandalösen Widersprüchen gilt es die AfD zu konfrontieren und zu entzaubern. Ausgrenzen wie am Katholikentag rückt die Rechtspartei noch weiter in eine Opferrolle, mit der sie sich propagandistisch schmückt.

clemens.fuetterer@derneuetag.de
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