Kommentar zu Köln/Flüchtlinge/Übergriffe
Konsequenzen aus Köln: Keine Macht den Mobs!

Noch immer sind nach den verstörenden Ereignissen zum Jahreswechsel in Köln mehr Fragen offen als beantwortet. Die wichtigste: Wie konnte es dazu überhaupt kommen, warum durfte ein Männer-Mob nahezu ungehindert die Kontrolle über den Bahnhofsvorplatz übernehmen?

Klar scheint immerhin: Die Einsatzleitung der Polizei hat die Lage offenbar falsch eingeschätzt, denn sie verzichtete auf die dringend benötigte Verstärkung. Personelle Überforderung zieht als Erklärung in diesem Fall also nicht. Spätestens als die Menschenmasse von einigen hundert auf rund tausend Personen anschwoll, die nicht nur mit Feuerwerkskörpern um sich warfen, hätte Alarmstufe Rot gelten müssen.

Dass sich jetzt in Köln und - so steht zu befürchten - auch anderswo weitere Mobs bilden und wahllos Jagd auf Menschen machen, die wie Migranten aussehen, wird die Situation weiter pervertieren und zusätzlich Polizeikräfte binden, die an anderer Stelle dringend gebraucht würden. Wohlgemerkt: Die Versammlungsfreiheit ist ein hohes Gut unserer Demokratie - jeder darf auf der Straße protestieren, wogegen auch immer sie oder er will. Wenn also die Pegida-Bewegung und ihre Ableger die Ereignisse von Köln für ihre Zwecke instrumentalisieren wollen: nur zu. Es ist ihr gutes Recht.

Wer aber meint, nicht nur seine Meinung, sondern auch Gewalt auf öffentliche Plätze und Straßen tragen zu dürfen, dem muss Einhalt geboten werden. Nicht auf der Straße werden die Entscheidungen getroffen, die uns alle betreffen, sondern in den Parlamenten. Es gilt das Recht der demokratischen Mehrheit - nicht das des Stärkeren oder das der größten Menschenmenge. Mobs, egal ob fremden- oder frauenfeindlich, dürfen in diesem Land keine Macht haben.

frank.stuedemann@derneuetag.de
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