Kommentar zu Merkel und der K-Frage
Für Angela Merkel gibt es kein Zurück mehr

Kann sie noch Nein sagen? Nein, kann sie nicht. Nach all den Lobeshymnen der vergangenen Tage hat Angela Merkel eigentlich keine andere Wahl mehr, als erneut als CDU-Vorsitzende und Kanzlerkandidatin anzutreten. Alles andere würde so aussehen, als ob sie vor der Verantwortung flieht.

Ihre Fans in der Partei bedrängen sie seit Wochen, die K-Frage endlich aufzulösen. Barack Obama lobt sie bei seinem Abschiedsbesuch in den höchsten Tönen. Und der Spanier Mariano Rajoy schrammt nur mühsam an der Erklärung vorbei, Deutschland sei ein Fels in der Brandung, ohne den Europa schwerlich bestehen könne. Europa ohne Merkel, und das noch in Trump-Zeiten? Das ist wahrlich schwer vorstellbar.

Alle Anzeichen sprechen also dafür, dass für Angela Merkel der "gegebene Zeitpunkt" gekommen sein müsste, um sich zu erklären. Ganz zufällig hat auch die CSU zeitgleich ein Spitzentreffen in München, um ihre Kandidatur zu besiegeln. Dennoch: Ein riskantes Unternehmen bleibt es allemal, eine vierte Amtsperiode anzusteuern. Schon andere vor ihr mussten erleben, wie schnell ein Volk seines Regierungschefs überdrüssig werden kann. Die "Merkel-muss-weg"-Front ist nicht zu unterschätzen. Mit ihrem Kurs in der Flüchtlingsfrage hat sich Merkel vermutlich mehr Sympathien verscherzt, als sie gewonnen hat. Selbst in der Union gibt es viele, die über die Alternativlosigkeit ihrer Kandidatur alles andere als glücklich sind. Und gerade in der CSU werden manche nur schweren Herzens für eine Kanzlerin Merkel in den Wahlkampf ziehen.

Trotzdem wird sich die Union schnell hinter Merkel versammeln. Und die SPD wird rasch klären müssen, ob sie Sigmar Gabriel oder Martin Schulz gegen Merkel ins Rennen schickt. Nach jetziger Gemengelage dürfte der Republik ein recht merkwürdiger Wahlkampf bevorstehen.

albert.franz@oberpfalzmedien.de
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