Kommentar zu Muslimen in Deutschland
Bei allem Fremdeln: Der Islam gehört zu Deutschland

Deutschland war schon mal weiter: Plötzlich ist es wieder eine Meldung wert, wenn ein Muslim neuer Bürgermeister der Millionenmetropole London wird oder eine Muslima Landtagspräsidentin in Baden-Württemberg. "Der Islam gehört zu Deutschland", hat der damalige Bundespräsident Christian Wulff 2010 formuliert. Das war schon seinerzeit umstritten. Heute ist es das noch mehr.

Nach aktuellen Umfragen gehört für 60 Prozent der Deutschen der Islam nicht zu Deutschland. Vor sechs Jahren waren nur 49 Prozent dieser Meinung. Dabei ist der Islam für viele immer noch ein unbekannte, eine ferne Parallelwelt. Nur rund ein Drittel der Nicht-Muslime in Deutschland haben muslimische Bekannte. 84 Prozent der Nicht-Muslime haben noch nie eine Moschee von innen gesehen.

Was lehrt uns das? Die Angstmache zeigt Wirkung. Viele lehnen ab, was sie nicht kennen. Aber Ausgrenzung und Abgrenzung, wie die AfD sie predigt, sind keine Lösung. Und das schüren von Feindbildern schon gar nicht. Man wird sich schon beschäftigen müssen mit dem Islam. Man darf Hassprediger nicht dulden, die den Glauben als politische Waffe missbrauchen. Man wird denen Einhalt gebieten müssen, die die Scharia über unsere Rechtsordnung stellen wollen. Aber das heißt noch lange nicht, Zwiebeltürme gegen Moscheen auszuspielen.

Sadiq Khan ist nicht wegen seines Glaubens Bürgermeister von London geworden. Genauso wenig Muhterem Aras Landtagspräsidentin in Stuttgart. Ganz zu schweigen von Mesut Özil oder Cem Özdemir. Und trotzdem gehören sie zu Deutschland, zu Europa. Alles andere sind ziemlich hohle, fremdenfeindliche Parolen.

albert.franz@derneuetag.de
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