Kommentar zu Panama Papers
Diskussion über Verantwortung Super-Reicher überfällig

Eine Firma mit einer Anschrift, einem Geschäftsführer und einem Konto. Die nichts macht, außer einer paar Geldbeträge im Jahr hin und her zu schieben. Das ist nicht von Natur aus verwerflich und noch lange nicht illegal. Anders sieht es aus, wenn diese Briefkastenfirma anderen Zwecken dienten: Vermögen so zu verschleiern, dass der Eigentümer des Geldes auf diese Weise seiner Steuerpflicht in seinem Heimatland entgehen kann. Oder zum Beispiel, um gleichzeitig politische Ämter besetzen und Firmen betreiben zu können - obwohl ein Gesetz dies explizit ausschließt. In vielen Ländern sind Beteiligungen von Amtsträgern an Firmen bewusst reglementiert. Man will Interessenskonflikte vermeiden, will verhindern, dass Politiker zum eigenen Vorteil entscheiden.

Gier und Macht. Wirtschaftsbosse und Fußballfunktionäre jonglieren mit Milliarden. Und mittendrin eben Politiker - nicht alle sind die berühmten lupenreinen Demokraten. Auch Namen aus westlichen Staaten werden genannt. Eine Überraschung ist das nicht. Aber bitter. Gerade in Zeiten, in denen so manche westliche Politiker für sich in Anspruch nehmen, höheren moralischen Ansprüchen zu genügen als osteuropäische Diktatoren oder Langzeitmachthaber. Island, Spanien oder Italien nun also in einer Reihe neben Russland, Georgien oder der Ukraine? Und all das soll ein gebürtiger Deutscher organisiert haben. Auch hiesige Banken haben ihm möglicherweise Kunden vermittelt.

Eine ernsthafte Diskussion über ethische Verantwortung Super-Reicher für die Gesellschaft ist mehr als überfällig. Bislang wurde sie - wenn überhaupt - nur halbherzig geführt.

alexander.raedle@derneuetag.de
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