Kommentar zu Putins Jahrespressekonferenz
Den russischen Bären sollte man nicht triezen

Wladimir Putin hielt Hof - und alle kamen: Vor 1400 Journalisten aus dem In- und Ausland zelebrierte der russische Staatspräsident seine jährliche Großpressekonferenz. Russland, so scheint es, spielt endlich wieder mit auf der großen Bühne. Die Zeiten, in denen US-Präsident Barack Obama das größte Land der Welt als bloße "Regionalmacht" verspotten konnte, sind vorerst vorbei.

Gut so: Denn Russland lässt sich mitnichten auf diese Rolle herabwürdigen. Dass der Konflikt in Syrien ohne ihn nicht zu lösen ist, wird Putin mit Genugtuung aufgenommen haben. Im Nahen Osten gewinnt Russland wieder an Einfluss und Ansehen - von Europa hingegen sieht sich Moskau weiter in die Ecke gedrängt.

Immer näher rückt der Westen hier dem einst so gefürchteten russischen Bären auf den Pelz. Der Osterweiterung der Nato folgte die Ost-Erweiterung der EU. Russland verliert so nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich zunehmend an Einfluss. Und das in einer Region, in der immer noch viele Russen leben. Das sollte man auch bei der Kritik an Russlands Eingreifen in der Ost-Ukraine im Hinterkopf behalten.

Man mag zu Putins Russland stehen, wie man will - zur Schau gestellte Geringschätzung und größtmögliche Demütigung der einst gefürchteten Weltmacht sind nicht nur dumm, sondern auch gefährlich. Den Bären zu triezen, bis er doch zurückschlägt, ist keine gute Idee.

gabriele.weiß@derneuetag.de
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