Kommentar zu Servicestellen
Terminvergabe löst nicht Problem des Ärztemangels

Bei dringenden Fällen innerhalb von vier Wochen zum Facharzt. Für viele Menschen, die viele Monate auf einen Termin, etwa beim Psychologen, warten müssen, sind die neuen Servicestellen der berühmte Lichtblick. Für einen zeitnahen Termin bei einem Spezialisten dürfte so mancher auch bereit sein, auf das Recht der freien Arztwahl zu verzichten. Möglicherweise muss er aber auch bereit sein, weitere Anfahrtsstrecken bis zur Praxis in Kauf zu nehmen. Wenn er denn kann: Gerade Kranke sind oft weniger mobil als Gesunde.

Das Grundproblem werden auch die neuen Servicestellen nicht lösen: Dass es vielfach auf dem Land schlicht und einfach zu wenig Ärzte gibt. Viele Mediziner arbeiten ohnehin schon am Limit und sind terminlich ausgebucht. Das wird sich auch nicht durch die Einführung einer neuen organisatorischen Ebene zur Terminvereinbarung ändern.

Die Kassenärztliche Vereinigung hat frühzeitig ihre Bedenken geäußert. Psychologen etwa halten die Vier-Wochen-Frist für unrealistisch. Noch mehr Patienten anzunehmen würde bedeuten, dass sich die Behandlungsqualität angesichts der Überlastung der Ärzte verschlechtern würde. Ein anderer Arzt kritisiert die schlechte Termintreue von Patienten: Wenn alle, die einen Arzttermin nicht wahrnehmen könnten, ihn auch rechtzeitig absagen würden, gäbe es keine Probleme. Einen Termin abzusagen, so man ihn denn nicht vergessen hat, ist eine Frage des Anstandes. Genauso ist es aber eine Sache des Anstandes, Patienten nach ihrem Behandlungsbedarf zu betreuen und nicht nach ihrer Mitgliedschaft in einer gesetzlichen oder privaten Krankenkasse. Zahlreichen Untersuchungen zufolge müssen nämlich gesetzlich Versicherte oftmals länger auf Termine warten.

Die neuen Servicestellen sollen zumindest für etwas mehr Ausgleich sorgen. Wunder werden aber auch sie nicht bewirken können.

alexander.raedle@derneuetag.de
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