Kommentar zu Terror/Osterbotschaften
Gegen die Hassprediger ist Toleranz fehl am Platz

Ankara, Istanbul, Brüssel, Lahore - die Kirchenführer hatten es am Osterwochenende wieder schwer, die richtigen Worte gegen das Böse zu finden. Margot Käßmann, die Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche, zog sich im Internet reichlich Spott zu, weil sie dem Terror ein "Liebet eure Feinde!" entgegensetzte. Und Papst Franziskus bemühte in Rom die "unendliche Barmherzigkeit" gegen die "geistigen und moralischen Abgründe der Menschheit". Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, räumte immerhin ein, dass Gewalt wohl kaum mit "einfacher Hoffnungsrhetorik" überwunden werden könne.

Große Worte, die eher die Hilflosigkeit unterstreichen. Dabei gibt es eine Woche nach den Terroranschlägen von Brüssel ganz pragmatische Ansätze, was die Terrorgefahr verringern könnte. Da ist zum Beispiel die missachtete Warnung der Türkei. So etwas darf nicht passieren. Da ist die Erkenntnis, dass es keine Lösung ist, Terrorverdächtige irgendwohin abzuschieben. Nicht ganz neu ist auch die Einsicht, dass in belgischen und französischen Ghettos Gotteskrieger herangezogen werden, denen nichts heilig ist.

Die Ermittlungsbehörden wissen viel, aber sie haben offenbar immer noch keinen Zugang zu den Milieus, in denen die menschenverachtende Gewalt gesät wird. Das liegt auch daran, dass man diese Parallelgesellschaften zu lange geduldet hat. Wegschauen ist eben keine Lösung und rächt sich früher oder später bitter. Was für Frankreich und Belgien gilt, gilt im übrigen auch für Deutschland. Es wird Zeit, dass sich die Justiz der Hassprediger und der Scharfmacher annimmt. Da ist jede Toleranz fehl am Platz.

albert.franz@derneuetag.de
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