Kommentar zu Trump/Sexismus
Frauenverachtung ist kein Kavaliersdelikt

US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump steht wegen seiner sexistischen Äußerungen derzeit in der Kritik. (Foto: dpa)

Was ist eigentlich der größere Skandal? Das Video, das endgültig belegt, dass der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump ein sexistischer Dinosaurier ist, in dessen Augen Frauen nichts weiter sind als Verfügungsmasse für seinen Triebabbau? Seine kindische Entschuldigung mit dem Verweis darauf, dass seine Aussagen immerhin zehn Jahre her seien und überhaupt Bill Clinton viel schlimmere Sachen sage? Oder der Umstand, dass vermutlich etliche Männer dies- und jenseits des Atlantiks die ganze Aufregung kaum verstehen können?

Man darf getrost davon ausgehen, dass derlei Kommentare nicht nur unter schwerreichen und mächtigen Schlipsträgern gang und gäbe sind. Sicher, der damals rund 60-jährige Trump prahlte damit, dass er gerade wegen seiner Prominenz mit Frauen anstellen könne, was er wolle: "Wenn du ein Star bist, dann lassen sie es zu. Du kannst alles machen." Aber auch an ganz normalen Stammtischen, in Kantinen, in Umkleidekabinen oder am Arbeitsplatz wird derlei brünftige Prahlerei oft toleriert. Und da liegt der innerste Kern der Sache: Nicht Unbelehrbare wie Trump sind das eigentliche Problem, sondern junge Kerle wie der TV-Moderator Billy Bush, der in besagtem Skandalvideo brav mitkichert und -gluckst, während der berühmte Milliardär seine Sprüche klopft. Bloß will der, obwohl er aus der präsidialen Bush-Familie stammt, ja auch nicht ins Weiße Haus einziehen.

Es wäre ein Fest, wenn ausgerechnet dieser neueste aus einer langen Serie von Skandalen Trump zu Fall brächte. Denn dann würde dem einen oder anderen vielleicht klar: Frauenverachtung ist im doppelten Sinne kein Kavaliersdelikt.

frank.stuedemann@derneuetag.de
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.