Kommentar zum Anschlag im Irak
Angesichts des Terrors in Bagdad ist es im Westen beschämend still

Istanbul, Dhaka und Bagdad - die blutige Spur des Terrors spannt sich zum Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan um die halbe Welt. Für die irakische Hauptstadt Bagdad sind es die schrecklichsten Tage seit gut einem Jahrzehnt. Mehr als 200 Menschen sind nach dem verheerenden Anschlag von Samstagnacht im Stadtteil Karada tot - und die Zahl der Ermordeten droht zu steigen. Noch sind nicht alle Leichen geborgen. Hunderte sind verletzt, viele so schwer, dass sie wohl nicht überleben werden.

Gleichwohl fällt der Aufschrei weltweit verhalten aus. Zu verhalten. Jenseits der routinemäßigen Beileidsbekundungen der Regierungschefs und Außenminister bleibt es in Europa und in den USA beschämend still. Es gibt im Westen kaum Mahnwachen. Kaum jemand passt sein Social-Media-Profil an. Ein Bekenntnis "Je suis Bagdad (Wir sind Bagdad" - Fehlanzeige.

Offensichtlich hat sich ein Großteil der Welt daran gewöhnt, dass die Menschen im Zweistromland seit Jahren Höllenqualen leiden. Dort greift längst das Gefühl, von der Welt vergessen zu sein, um sich und verstärkt diese Höllenqualen nur noch. So wie in vielen arabischen Orten, die schwer vom Terror gezeichnet sind.

Auch in Bagdad, Beirut oder in dem christlichen Dorf Kaa im Beeka-Tal im Nordosten des Libanon, das vor einer Woche von vier Selbstmordanschlägen getroffen wurde, gilt: Terror ist ein Angriff auf die Menschlichkeit, unabhängig davon, ob es Schiiten, Sunniten und Christen trifft, so wie in Karada, oder eher religionsferne Menschen, so wie in europäischen Städten.

Der Westen darf dies nicht vergessen. Sonst verrät er seine Werte von Freiheit und Gleichheit. Dann hätte die Terrormiliz (IS), die Erben Abu Musab al-Zarqawis, der nach der US-Invasion im Jahr 2003 die blutige Terrorwelle im Irak losgetreten hat, gewonnen.
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