Kommentar zum Anschlag in Orlando
Hass auf das Andere vereint alle Amokläufer

"Ich kann aufrichtig sagen, das ist eine kranke Person", beschreibt die erschütterte Ex-Frau des Attentäters von Orlando, Sitora Yusufiy, 27, ihren früheren Ehemann, "verwirrt und verrückt." Todesschütze Omar Mateen, 29, soll sich in einem Anruf bei der Polizei zur Terrormiliz IS bekannt haben. Seine verzweifelten Eltern beschreiben die Ideen ihres Sohns vor allem als wirr. Sie erinnern sich an seine Wut, als er sah, wie sich ein schwules Pärchen küsste.

Religion gibt Menschen Hoffnung und Orientierung. Sie spendet Trost und vermittelt Hoffnung, Lebensmut und Mitmenschlichkeit. Seit es Religionen gibt, werden sie aber auch missbraucht - von Gurus als unangreifbare Machtbasis: verliehen von Gottes Gnaden. Zitiert von Attentätern als Rechtfertigung für eine Todsünde: "Du sollst nicht töten!"

Religionskriege wie Kreuzzüge, Schlachten zwischen Christen und Muslimen, konfessionelle Bürgerkriege wie der 30-Jährige Krieg, noch heute zwischen Katholiken und Protestanten in Nordirland oder Sunniten und Schiiten im Irak sind blutige Begleiterscheinungen des Alleinvertretungsanspruchs einzelner Gruppen.

Welche Rechtfertigung verwirrte Amokläufer für ihren "erweiterten Suizid", wie Fachleute das nennen, ins Feld führen, ist nicht relevant für die Einordnung der Tat. Wenn dem psychisch Kranken "Stimmen" befehlen zu morden, sind nicht die Stimmen das Problem - sondern, dass sein Umfeld das Aggressionspotenzial nicht erkannte und ihm Waffen für den Massenmord zur Verfügung standen.

Wie am 22. Juli 2011, als Anders Behring Breivik beim Amoklauf von Utøya 77 junge Sozialdemokraten hinrichtete. Oder am 12. Juni 2016, als US-Bürger Omar Mateen im Schwulenklub von Orlando 49 Menschen ermordete, die nicht in sein Weltbild passten. Gäbe es den IS oder die Neonazis nicht, sie hätten eine andere Ideologie gefunden, um ihre Tat zu begründen. In ihrem Hass sind sich beide ähnlicher als manche das wahrhaben wollen.

juergen.herda@derneuetag.de
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