Kommentar zum Auftritt von Horst Seehofer auf dem CDU-Parteitag
In Karlsruhe erfährt der CSU-Chef seine Grenzen

Horst Seehofer ist ein gewiefter Politiker. Er kennt Höhen und Tiefen. Der CSU-Vorsitzende kennt aber auch den Spruch, dass man sich immer zweimal im Leben sieht - und im Laufe einer Politikerkarriere sowieso. Seehofer dürfte sich daher noch gut an die Zeit erinnern, als er von Edmund Stoiber aus dem Parteivorstand gewiesen wurde.

Heute ist Seehofer bayerischer Ministerpräsident und Parteivorsitzender der CSU, Stoiber ist nur mehr Ruheständler. Seehofer weiß aber auch, dass es in der Partei und im bayerischen Kabinett einige gibt, die sein Ausscheiden nicht erwarten können.

Seehofer kennt Angela Merkel seit seiner Zeit in Berlin - sie Regierungschefin, er Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Heute ist Merkel noch immer Bundeskanzlerin, Seehofer ist zwar bayerischer Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender - aber damit nur Chef der kleineren Schwesterpartei der CDU. Seehofer dürfte sich gut daran erinnern, dass die Art wie er mit Merkel beim CSU-Parteitag in München umgegangen ist, nicht nur von Außenstehenden, sondern auch von CSU-Delegierten als "Vorführen" empfunden wurde.

In Karlsruhe muss Seehofer nun erleben, wie Merkel ihren Parteifreunden deren Grenzen aufzeigt, ganz ohne diese zu demütigen. Das sind weniger die Gesten auf der Parteitagsbühne, es ist die Rede Merkels. Das christliche Menschenbild der CDU, das die Kanzlerin anführt, gilt auch in der CSU. Daran muss sich auch Seehofer messen lassen. Der CSU-Chef weiß, am einhelligen CDU-Beschluss kommt er nicht vorbei. Schließlich wurde Merkel in Karlsruhe auch für Aussagen wie "Es kommen keine Menschenmassen, es kommen einzelne Menschen zu uns" gefeiert.

___



E-Mail an den Autor:

alexander.pausch@derneuetag.de
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.