Kommentar zum Bayer-Monsanto-Deal
Die Zeche zahlen womöglich wir alle

Bayer-Chef Werner Baumann hat bekommen, was er wollte. Gleich nach seinem Amtsantritt im Mai hatte er angekündigt, den umstrittenen US-Konzern Monsanto schlucken zu wollen - sehr zur Überraschung der einen und sehr zum Schrecken der anderen Beobachter. Ausgerechnet Monsanto. Den Saatgut- und Unkrautvernichter-Giganten, der wegen seiner gentechnisch veränderten Produkte immer wieder in die Kritik geraten ist. Der den Unkrautvernichter Glyphosat vertreibt, der im Verdacht steht, krebserregend zu sein.

Monsanto steht nicht nur in den Augen von Umwelt- und Verbraucherschutz-Aktivisten stellvertretend für vieles, was schief läuft in der industrialisierten Landwirtschaft - und jetzt bindet sich Bayer, die Mutter der Aspirin, dieses Monstrum ans Bein? Das verursacht Kopfschmerzen auf viele Arten.

Kann es nicht auch den deutschen Bauern schaden, wenn sich so viel Marktmacht zusammenballt? Entsteht nicht eine fatale Abhängigkeit, wenn Landwirte aus einer Hand beziehen müssen, was sie zur Arbeit brauchen? Und ist nicht am Ende der Verbraucher der Leidtragende, wenn er in den Supermärkten nur noch Lebensmittel findet, bei deren Produktion multinationale Mega-Konzerne ihre Finger im Spiel hatten? Viel düstere Fantasie braucht man nicht, um diese Fragen zu beantworten: ja.

Aus Sicht der Wirtschaft ist der Deal eine Sensation, die es zu feiern gilt. Die Leverkusener katapultieren sich als Anbieter von Saatgut und Pflanzenschutzmitteln an die Weltspitze. Noch nie hat ein deutscher Konzern so viel für eine Übernahme hingeblättert. Aber das dumpfe Gefühl bleibt, dass die Zeche am Ende wir alle zahlen.

frank.stuedemann@derneuetag.de
Weitere Beiträge zu den Themen: Kommentare (5732)Bayer (16)Monsanto (12)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.