Kommentar zum Brexit
Britische Politik kehrt gegenüber Europa zum Fair Play zurück

Während der Kampagne für einen britischen Austritt aus der Europäischen Union ging es im Vereinten Königreich wenig gentlemanlike zu. Fair Play war in dieser Zeit für die Befürworter des Ausscheidens ein Fremdwort. Die Lügen über Europa, die politische Maulhelden wie etwa Nigel Farage, der Chef der britischen Rechtspopulisten Ukip, oder Hasardeure wie der ehemalige Londoner Bürgermeister und heutige britischen Außenminister Boris Johnson im Wahlkampf verbreiteten, haben viele europäische Politiker auf dem Kontinent zutiefst verärgert.

Nun hat sich die Politik auf der Insel zur Rückkehr zum Fair Play entschlossen. Der britische Verzicht auf die EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2017 ist eine gute, eine wichtige Geste in Richtung Europäischer Union. Diese Geste war zwar erwartet worden, sie trägt aber dennoch dazu bei, das politische Klima zu verbessern. Es hätte für heftigen Streit gesorgt, falls die Regierung in London über einen Austritt des Landes aus der Europäischen Union verhandelt hätte und zeitgleich als Ratsvorsitzende aber Impulse zur Entwicklung der EU hätten geben sollen und wollen.

So lange die britische Regierung daran festhält, die Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der Europäischen Union für Großbritannien zu beenden, wird es ohnehin schwer werden, zu einer engen Partnerschaft zwischen dem Königreich und der Union zu kommen. Denn zum gemeinsamen Markt gehört nun einmal freier Personen- und Warenverkehr. Und: Eine britische Rosinenpickerei dürfte für Unmut in vielen EU-Ländern führen.

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