Kommentar zum Brexit-Referendum
Wut und Hass treiben Europa zurück in die Zeit der Großväter

Die Entscheidung der Briten für einen Ausstieg aus der Europäischen Union ist nur der Beginn der Misere. An den Börsen sind die Folgen des anstehenden Brexits zu besichtigen. Als Erste bekommen diese die Briten zu spüren, doch auch die übrigen Europäer werden Wohlfahrtseinbußen hinnehmen müssen.

Der britische Brexit-Befürworter Boris Johnson stemmt sich gegen diese Erkenntnis - mit denselben demagogischen Mitteln, auf die er und seine Mitstreiter im Wahlkampf gesetzt haben. Der ehemalige Londoner Bürgermeister schürt Empörung, Wut und Hass gegen den vermeintlichen Sündenbock Europa. Tatsachen werden geleugnet oder ignoriert.

Einpeitscher wie er schrecken auch vor Lügen nicht zurück. Etwa: Großbritannien könne weiter am europäischen Binnenmarkt teilhaben. Verschwiegen wird, dass dazu nicht nur der freie Warenverkehr, sondern auch die Bewegungsfreiheit für die Menschen gehört. Dabei hat ausgerechnet Letzteres viele bewogen, für den Brexit zu stimmen. Sie treibt die Ablehnung Fremder. Der Hinweis, dass die EU-Bürger aus Osteuropa deutlich mehr an Steuern zahlen, als sie an staatlichen Hilfen erhalten, wird überhört: Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Argumente, Vernunft oder gar eigenes Nachdenken zählen nicht mehr - in ganz Europa.

Europa, das die Aufklärung hervorgebracht hat, wendet sich mit erschreckender Geschwindigkeit gegen sein Erbe. Gefühle und Emotionen sind erneut der unselige Maßstab. Damit aber geht Europa zurück in die Vergangenheit, in die Zeit der Großväter und Ur-Großväter. Diese standen einander mit Ressentiments gegenüber.

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