Kommentar zum Bundespräsidenten
Gauck kann mit einer zweiten Amtszeit nichts gewinnen

Joachim Gauck geht auf dem Höhepunkt. 70 Prozent der Bürger meinen in einer Umfrage, der evangelische Pfarrer und ehemalige Stasi-Unterlagenbeauftragte solle als Bundespräsident weitermachen. Das dürfte auch dem 76-Jährigen geschmeichelt haben. Er genießt sichtlich sein Amt als Staatsoberhaupt.

Gleichwohl dürfte auch ihm klar sein, dass er mit einer zweiten Amtszeit mehr verlieren als gewinnen kann. Auch weil dann nicht mehr Horst Köhler oder Christian Wulff der Maßstab sind, sondern er selbst. Und, Gauck weist selbst darauf hin: Nach weiteren fünf Jahren in Schloss Bellevue in Berlin wäre er im 82. Lebensjahr.

Für die Mitglieder der Großen Koalition wäre es weitaus bequemer gewesen, Gauck hätte noch einmal fünf Jahren drangehängt. Nun lauten die Fragen: Union, wie hältst Du es mit den Grünen? SPD wie hältst Du es mit der Linkspartei? Und: Dass sich CDU und CSU reibungslos auf einen Kandidaten einigen, dürfte angesichts der gespannten Stimmung zwischen den Schwesterparteien wegen der Flüchtlingspolitik kein leichtes Unterfangen sein. Dazu passt, das Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) bereits dazu aufruft, die Debatte über die Nachfolge "mit Ruhe und Bedacht" zu führen. Er dürfte vor allem an die CSU gedacht haben.

Allen Warnungen zum Trotz: Die Erfahrung lehrt, dass die Parteitaktik und der Blick auf die Bundestagswahl die Suche nach einem Nachfolger bestimmen werden. Sollten es die Wahlkämpfer zu bunt treiben, kann es durchaus sein, dass sich Gauck mahnend äußert.

In den verbleibenden Monaten seiner Amtszeit wird sich Gauck mit Sicherheit wie bisher für Demokratie und Freiheit einsetzen - im Inland und im Ausland. Dazu dürfte auch der nachdrückliche Hinweis gehören, dass die Muslime, die hier leben, zu Deutschland gehören. Gauck fordert seit Jahren, die Bundesrepublik solle mehr Verantwortung übernehmen. Die Flüchtlingswelle hat diese Notwendigkeit unterstrichen.

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