Kommentar zum CDU-Parteitag
Angela Merkel erkämpft sich Rückendeckung der Partei

Spätestens nach der politischen Ohrfeige für Sigmar Gabriel beim SPD-Bundesparteitag war klar, dass die CDU ihre Vorsitzende nicht vorführen wird. Doch letztlich hätte es die indirekte Schützenhilfe des Koalitionspartners gar nicht gebraucht. Denn selbst den heftigsten Kritikern des Flüchtlingskurses von Angela Merkel ist klar: Noch hat die Partei keinen anderen.

Gleichwohl geben die Gegner der Flüchtlingsaufnahme nicht Ruhe, wie der Antrag von Wolfgang Bosbach beim CDU-Bundesparteitag zeigt. Ähnlich wie die Linken in der SPD, obwohl beide sonst nichts gemeinsam haben, können viele Konservative in der CDU mit der gewachsenen europäischen und internationalen Verantwortung Deutschlands nicht umgehen. Sie teilen diese Sicht nicht - und fühlen sich durch die Vorstöße aus der CSU in ihrer isolationistischen Haltung nur bestärkt.

Zurecht lässt sich Angela Merkel nicht auf diese Sicht ein. Abschottung ist im 21. Jahrhundert, wie sie betont, "keine vernünftige Option". Eine derartige Politik wäre auch Verrat am Erbe der CDU. Von Adenauer bis Kohl suchten die Kanzler der CDU die Westintegration. Dazu gehört, dass Deutschland als das größte Land in der Mitte des Kontinents eine deutlich größere Last trägt.

Und dann ist da noch das christliche Menschenbild der CDU. Merkel begründet ihre Flüchtlingspolitik mit dem Verweis auf der von Gott geschenkten Würde jedes einzelnen Menschen - an diesem Argument kommen diesmal auch die Skeptiker nicht vorbei. Doch Angela Merkel weiß auch, dass ein weiterer Zuzug in dieser Größenordnung früher oder später alle überfordern könnte, obwohl sie bei ihrem "Wir schaffen das" geblieben ist.

Was sie mit ihrer Rede beim Parteitag in Karlsruhe erkämpft hat, ist Rückendeckung und Zeit. In den nächsten Monaten muss die Kanzlerin hierzulande die Aufnahme organisieren und die Integration vorantreiben. Und Merkel muss die europäischen Partner in die Pflicht nehmen. Andernfalls dürfte es ihr beim nächsten CDU-Bundesparteitag ähnlich ergehen, wie ihrem Vizekanzler von der SPD bei seiner Bundesversammlung.

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