Kommentar zum Fall Lisa und Moabit hilft
Im Wahn der Gerüchteküche

Die Geschichte des zeitweilig verschwundenen 13-jährigen Mädchens aus Berlin hat alle Zutaten für einen unterhaltsamen, abendfüllenden Hollywood-Streifen. Doch sie ist bittere Realität. Die Schulsorgen einer Pubertierenden haben es geschafft, für zusätzliche diplomatische Verwicklungen zwischen Deutschland und Russland zu sorgen.

Die Geschichte der 13-Jährigen ist ebenso wie der Bericht über den vermeintlichen Tod eines Flüchtlings im Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales aber auch ein Beispiel für die hysterische Erregungsgesellschaft hierzulande. Abwarten, bis Polizei und Staatsanwaltschaft zu Ende ermittelt haben? Mitnichten. Fragen, was geschehen ist? Niemals. Stattdessen wird jedes Gerücht, jede Verschwörungstheorie und jede Lüge hinausgeblasen, bis der Dampf aus der wabernden Gerüchteküche die Wahrnehmung endgültig vernebelt.

Das Tragische: Das 13-jährige Mädchen, das als Minderjährige den Schutz und die Hilfe unserer Gesellschaft verdient, so wie jede Minderjährige, ist für ihr Leben gezeichnet - und das nur, weil für einige die Lüge näher an ihrem Wunschbild von der Wirklichkeit ist als die Tatsache.

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