Kommentar zum Fall Peggy
Peggy und der NSU: Ein totes Kind wird zum Spielball

Was muss in Peggys Mutter vorgehen? Vor mehr als 15 Jahren verschwand ihre kleine Tochter. Dass die Neunjährige nicht mehr lebend gefunden werden würde, musste sie wohl irgendwann akzeptieren. Endlich, im Sommer dieses Jahres, werden Peggys sterbliche Überreste gefunden - doch sie dürfen nicht begraben werden. Nicht, so lange die Ermittler noch nach Hinweisen nach dem Mörder des Kindes suchen. Mitte Oktober dann die sensationelle Erkenntnis: DNA-Spuren des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt tauchen am Fundort von Peggys Leiche auf. Die Hoffnung der Mutter, dass ihr Kind nach Hause und beerdigt werden darf, wird durch diese neuen Entwicklungen zerstört.

Und jetzt das halbe Zurückrudern der Ermittler: Was, wenn alles nur eine Panne war? Was, wenn Böhnhardts genetische Spuren in das Waldstück an der Grenze von Bayern zu Thüringen von genau den Menschen eingeschleppt wurden, die eigentlich die genauen Umstände von Peggys Tod aufklären sollten? Ein peinlicher Fehler, wenn es ein rein interner Vorgang wäre. Indem Polizei und Staatsanwaltschaft vor zwei Wochen jedoch an die Öffentlichkeit gingen und mehr Fragen aufwarfen als sie Antworten geben konnten, bereiteten sie den Weg für diesen PR-Super-GAU.

Man hätte den Mund halten sollen, auch wenn Informationen über den DNA-Fund offenbar bereits an die Presse durchgesickert waren - eine weitere Panne. So aber wachsen nicht nur Zweifel an Kompetenz und Kommunikationsstrategie der Verantwortlichen. Es wächst auch der Eindruck, dass ein totes Kind von den Behörden unnötig zum Spielball des öffentlichen Interesses gemacht wurde. So jedenfalls wird Peggys Mutter niemals Frieden finden.

frank.stuedemann@oberpfalzmedien.de
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