Kommentar zum Fall Peggy und der NSU
Angst vor der nächsten Panne

Der Fall Peggy und die NSU-Morde: Wer jemals einen Zusammenhang der Fälle ins Spiel gebracht hätte, wäre wohl für verrückt erklärt worden. Nun scheint es tatsächlich möglich, dass der mutmaßliche Terrorist Uwe Böhnhardt an dem Tod des Mädchens aus Lichtenberg beteiligt war. Und jetzt?

Um allen Verschwörungstheoretikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, muss so schnell wie möglich geklärt werden, wie Böhnhardts DNA-Spuren in die Nähe von Peggys Skelett gekommen sind. Schlamperei, zum Beispiel in der Gerichtsmedizin, wäre eine Katastrophe und würde die Glaubwürdigkeit der Sicherheitsbehörden bis ins Mark erschüttern.

Vieles passt im NSU-Puzzle aber zusammen. Die Spielsachen im Wohnwagen, in dem sich Uwe Böhnhardt und sein Komplize Uwe Mundlos in die Luft sprengten. Die Kinderpornos auf dem Computer von Beate Zschäpe. Das so oft verlogene Weltbild der Neonazis. Immer wieder spielen sich Rechtsextreme als die großen Beschützer von Kindern vor sexuellem Missbrauch auf. Dabei wurden Szenegrößen wie Tino Brandt, ein enger Wegbegleiter von Böhnhardt, selbst wegen Missbrauchs verurteilt.

Es ist auch höchste Zeit, dass Beate Zschäpe richtig auspackt. Ihr Schauspiel beim NSU-Prozess ist schlimm genug. Jetzt könnte die Angeklagte wenigstens dazu beitragen, dass der Fall Peggy 15 Jahre nach ihrem Verschwinden gelöst wird.

Das ungeklärte Schicksal des Mädchens aus Lichtenberg hat schließlich zu einem jahrelangen Trauma im Freistaat geführt, das bis zum massiven Justiz- und Polizeiskandal reicht. Zur Erinnerung: Auf politischen Druck wurde die Sonderkommission ausgewechselt. Als neuer Chefermittler agierte jener Polizist, der später als Leiter der Soko "Bosporus" bei der vom NSU-Trio begangenen Mordserie so furchtbar versagt hatte. Die Liste der Pannen ist lang genug - eine weitere darf auf keinen Fall dazukommen.

frank.werner@derneuetag.de
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