Kommentar zum geplanten Nato-Einsatz
Retten und helfen: Zwei Seiten der Tragödie in der Ägäis

Es wird dauern, bis sich die Ägäis wieder schlicht als eine wildromatische Inselwelt zeigt. Das Meeresgebiet steht derzeit als Massengrab für die Tragödie am Rande des Kontinents. Hier sterben Menschen. Die Hoffnungsvollen, die Verzweifelten, die von Schleusern gelinkten. Mindestens 340 sollen es in diesem Jahr schon sein. Es liest sich wie eine schnöde Statistik, aber es ist 340 Mal jämmerliches Ertrinken von Männern, Frauen und Kindern. Eine internationale Notlage.

Soweit die Lage. Dumm nur, dass es Flüchtlinge sind, die da auf Schlauchbooten um ihr Leben bangen. Damit wird aus blanker Seenot ein Politikum, überfrachtet mit all dem Konfliktstoff, der sich in Europa seit Monaten angesammelt hat. Deswegen wird ein Plan zum Auslaufen von Nato-Schiffen zum Gradmesser, wie das Bündnis, wie Europa mit der Flüchtlingskrise umgehen. "Pro Asyl" wettert dagegen, dass eine wichtige Fluchtroute durch den Militäreinsatz dichtgemacht werden solle. Das klingt befremdlich. Es muss erklärtes Ziel sein, Menschen davon abzuhalten, den gefährlichen Weg übers Meer überhaupt anzutreten. Auch Grundsatz-Kritik, etwa aus den Reihen der Grünen, dass Flüchtlingshilfe militarisiert würde, wirkt aufgesetzt. Wenn Kanonenboote dazu dienen, Leben zu retten, wäre es unterlassene Hilfeleistung, sie nicht auf See zu schicken.

Entscheidend ist, dass Kriegsflüchtlingen geholfen wird. Sie brauchen eine Überlebens-Perspektive. Das ist der Punkt, den weder Zäune noch Militärschiffe leisten können. Der umstrittene Aktionsplan von EU und Türkei wird kaum ausreichen für weitere Fluchtwellen - und scheint bisher schon vor allem auf dem Papier zu stehen.

stefan.zaruba@derneuetag.de
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