Kommentar zum Grundvertrauen der Bürger in den Staat
Angeknackste Seelenlage durch zu viele Zumutungen

Mit dem Instinkt zum Machterhalt ruft die Pragmatikerin Angela Merkel dazu auf, auf "konservative Wähler rechts von der politischen Mitte zuzugehen": Gepaart mit der späten Erkenntnis, dass es nicht reicht, den Rechtspopulisten mit Empörung und politisch korrekter Betroffenheit zu begegnen. Es ist diese diffuse Gemengelage, die Existenzängste auslöst und die Menschen zu jenen Parteien treibt, die einfache Lösungen für komplexe Probleme anbieten. Denn die nachhaltigen Befindlichkeits-Störungen eines Teils der Gesellschaft rühren nicht nur von der Millionen-Migration und ihren Folgen her.

Zu diesen Zweifeln kommen die Diskussion um die Abschaffung des Bargelds (totale staatliche Finanzkontrolle), das undurchsichtige Freihandelsabkommen TTIP mit den USA und nicht zuletzt der Null-Zins. Die abstrakte, von der EZB aufgezwungene Strategie des billigen Gelds kippt nicht nur alle sicher geglaubten Planungen für die Altersvorsorge, sondern trifft eine deutsche Tugend - nämlich die des Sparens - ins Mark. In kaum einer anderen Volkswirtschaft der Welt legen die Menschen so viel Geld auf die hohe Kante. Außerdem fühlen sich viele Deutsche angesichts der Epidemie von Einbrüchen von einem Staat in Stich gelassen, der eigentlich für den Schutz seiner Bürger sorgen soll.

Wirtschaftliche Prosperität mit blendenden Kennzahlen ist nur die eine Seite, die Seelenlage des Volks aber die andere. Wie ist es um das "Bauchgefühl" der Deutschen bestellt? Wenn schon das Gedeihen der Wirtschaft zur Hälfte auf Psychologie beruht (um mit Ludwig Erhard zu sprechen), um wie viel mehr wiegt dieser Faktor dann in der Politik? Die bisherige Haltung der Volksparteien stärkt nicht gerade das Grundvertrauen der Bürger in den Staat.

clemens.fuetterer@derneuetag.de
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