Kommentar zum Investitionsstau an Schulen
Die große Hausaufgabe

Mit Investitionsstau ist es so eine Sache. Im Verkehr macht sich Nachlässigkeit schnell bemerkbar. Es rumpelt eben auf der Landstraße, wenn sich keiner um die Löcher kümmert, und irgendwann muss ein Tempo-80-Schild die Gefahrenstelle entschärfen. Investitionsstau an Schulen kündigt sich schleichend an. Da ist der Fußboden der Turnhalle von Rissen durchzogen, durchs Flachdach tropft es, und der Zustand der Toiletten hat sich dem rauen Charakter des grauen Einheits-Klopapiers angepasst.

Jeder Mangel für sich besehen wird den Lernerfolg eines Kindes nicht beeinflussen. Eine Fünf in Mathe, weil niemand zugige Fenster auswechselt? So einfach ist das nicht. Aber hinter 34 Milliarden Euro Investitionsstau an deutschen Schulen steckt trotzdem ein massives Problem. Wer zuwartet, bis Bausubstanz angegriffen wird, muss am Ende immer mehr für Sanierungen zahlen. Geld, das unter Umständen für Einrichtung, Infrastruktur und bei Bedarf Erweiterungsbauten fehlt. Zudem ist es das Gegenteil von Wertschätzung des Lehrer-Berufs, wenn Pädagogen das Gefühl erhalten, ihr Aufgabenfeld sei der Öffentlichkeit schlicht nichts wert.

Der wertvollste nachwachsende Rohstoff unserer Gesellschaft ist die Bildung der jungen Generation. Die Infrastruktur dafür kann sich keine Bummel-Baustellen erlauben. Es darf auch nicht vom Wohnort abhängen, ob Schulen dank potenter Gewerbesteuerzahler alles zu bieten haben, oder Kämmerer knausern müssen. Jedes Kind in jeder Region verdient alle Chancen. Bildung ist eine Aufgabe der Allgemeinheit, bei kaum einer anderen ist es so wichtig, dass der Staat klammen Kommunen hilft.

stefan.zaruba@derneuetag.de
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