Kommentar zum Kampf gegen den IS
Der Kampf um Mossul beginnt erst nach der Eroberung der Stadt

Mit einer Rückeroberung von Mossul verbinden sich große Hoffnungen - in der irakischen Stadt selbst, bei den geflohenen Bewohnern sowie in der Hauptstadt Bagdad, vor allem aber in Europa und in den Vereinigten Staaten. Der Fall der Metropole, in der die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Juni 2014 ihr Kalifat ausgerufen hat, soll die Extremisten ins Mark treffen.

Diese Vorstellung dürfte sich als Illusion erweisen. Der IS hat schon früher bewiesen, dass er als Terrorgruppe im Untergrund überleben kann, gerade in Mossul - auch in den Zeiten, als dort amerikanische Truppen das Sagen hatten. Christen und andere Minderheiten haben dies bitter erfahren müssen. Das Leben in der irakischen Metropole ist für viele vor langer Zeit unerträglich geworden.

Die Eroberung Mossuls wird kein Triumphzug. Das lehren die Erfahrungen in Tikrit, Ramadi oder Falludscha. In diesen Städten sind wegen der Zerstörungen und wegen der Sprengfallen Teile unbewohnbar.

Unter den Kräften, die nun zum Sturm auf Mossul ansetzten, sind nicht nur irakische Soldaten, Polizisten und Anti-Terrorkräfte sondern auch verfeindete Milizen. Darunter schiitische Kräfte, die in ihrer Grausamkeit dem IS in Nichts nachstehen. Zudem sorgte der Einsatz der Peschmerga in der Stadt schon in der amerikanischen Besatzungszeit für Spannungen. Die Kurden wären gut beraten, auf der östlichen Seite des Tigris zu bleiben.

Der Kampf um Mossul und der Kampf um den Irak fängt erst nach der Eroberung der nordirakischen Metropole an. Ohne Interessenausgleich und Aussöhnung wird das Land nicht zur Ruhe kommen. Der Islamische Staat wird, wie immer seit dem Jahr 2003, alles tun, um eine Aussöhnung zu verhindern. Schiiten, Sunniten und Kurden sollten nicht erneut den Fehler begehen, den Terroristen in die Falle zu laufen.

___



E-Mail an den Autor:

alexander.pausch@derneuetag.de
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.