Kommentar zum Kampf gegen IS
Deutschland hilft, im Irak ethnische Gräben zu vertiefen

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ist im Irak zurückgedrängt, auch dank deutscher Waffen- und Ausbildungshilfe. In dieser Beurteilung liegt Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen richtig. Obwohl der IS noch immer die Großstadt Mossul beherrscht.

Ohne die von der Bundesrepublik gelieferten Panzerabwehrraketen vom Typ "Milan" hätten die Peschmerga die von IS-Selbstmordattentätern gesteuerten, mit Sprengstoff vollgepackten Fahrzeuge nicht stoppen können, ohne sich selbst zu gefährden. Zudem sorgte die Bundeswehr für die dringend nötige taktische Ausbildung kurdischer Verbände. Amerikaner und andere übernahmen das für die zerfallende irakische Armee.

Geschlagen, wie von der Leyen sagt, ist der IS aber noch lange nicht. Weder in Syrien, noch im Irak. Zur Erinnerung: Die Terrororganisation hat seit mehr als einem Jahrzehnt den Irak mit einer Schattenregierung überzogen. Vom Untergrund aus beherrschte und terrorisierte sie nicht nur sunnitische Großstädte wie Mossul. Dorthin in den Untergrund kann sie sich jederzeit zurückziehen. Das hatte die Organisation so gemacht, als sie im Jahr 2004 von der US-Armee aus Falludscha vertrieben wurde.

Zur Lösung der politischen Krise im Irak hat die deutsche Strategie bisher ebenso wenig beigetragen wie die amerikanische. Die USA hatten schon bald nach ihrem Einmarsch im Jahr 2003 auf eine alte französische Kolonialstrategie zurückgegriffen: die Bewaffnung einheimischer Milizen. Als amerikanischer Oberkommandierender von 2007 bis 2008 perfektionierte US-General David Petraeus diese Strategie zur Aufstandsbekämpfung. Damit vertieften sich die Gräben zwischen Sunniten und Schiiten sowie gegenüber den Kurden. Daran hat sich nichts geändert.

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