Kommentar zum Kampf um Mossul
Mit dem Einsatz vor Mossul will sich die Türkei einen Teil des Kuchens sichern

Nun schalten sich auch türkische Truppen in die Befreiung des irakischen Mossul aus der Hand des Islamischen Staates ein - eigenmächtig und ohne Einladung der irakischen Regierung. Das vergiftet das ohnehin angespannte Klima zwischen Ankara und Bagdad noch weiter. Noch am Samstag hatte der irakische Premier Haidar al-Abadi entsprechende Wünsche der Türken zurückgewiesen.

Alles Drohen aus Bagdad Richtung Ankara ist vergeblich. Die von Schiiten dominierte irakische Regierung ist wegen eigener Fehler seit langem nicht mehr Herr im eigenen Haus. Die Erfolge der Terrormiliz Islamischer Staat haben dies aller Welt vor Augen geführt. Tatsächlich aber ist der Irak schon vor Jahren entlang ethnischer Grenzen zerfallen. Das nutzt die türkische Regierung aus. Einmal kämpft sie mit Bodentruppen im Irak gegen die kurdische Terrorgruppe PKK, einmal kämpft sie an der Seite der Peschmerga. Diese Truppen der kurdischen Autonomieregion im Nordirak bildet die Türkei bereits ebenso lange aus wie die Bundeswehr.

Die Begründung für den türkischen Einsatz vor Mossul bedeutet eine neuerliche Pirouette. Ankara schwingt sich nicht nur zum Schutzpatron der Turkmenen sondern auch der sunnitischen Araber auf. Den Sicherheitsgarantien der USA und des Iraks, dass die PKK und die schiitischen Milizen nicht Teil der Offensive sind, könne die Türkei nicht vertrauen, führt Premier Binali Yildirim an.

Tatsächlich aber ist es ein Ringen um Einfluss in der Region. Diesen geopolitischem Kampf im Irak und in Syrien betreiben nicht nur die Türkei, Saudi-Arabien und Iran, sondern auch Russland und die USA.

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