Kommentar zum Konflikt um Berg-Karabach
Konflikt im Kaukasus schreckt Ankara und Moskau auf

Vorerst scheinen im Südkaukasus die Waffen wieder zu schweigen. Doch der jahrzehntealte Konflikt um die Region Berg-Karabach zwischen Aserbeidschan und Armenien hat alle Zutaten, um die Türkei und Russland erneut aneinandergeraten zu lassen. Zuletzt war dies an der syrisch-türkischen Grenze geschehen, als die Türkei ein russisches Flugzeug abschoss.

In Nordsyrien sorgt sich Ankara angesichts der russischen Hilfe für das syrische Regime um das Schicksal eines "Turk-Brudervolkes". So wie jetzt in Aserbeidschan auch. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sicherte den aserbaidschanischen Brüdern bereits die Unterstützung "bis zum Ende" zu. Aus Sicht von Aserbeidschan heißt dies: Rückeroberung der armenischen Enklave Berg-Karabach und der von Armenien besetzten Gebiete.

Auf der anderen Seite ist Russland militärische Schutzmacht Armeniens. Zuletzt hatten Moskau und Eriwan im Dezember 2015 eine gemeinsame Luftverteidigung vereinbart, der auch Kirgistan und Tadschikistan beitreten sollten. In Armenien sind zudem rund 5000 russische Soldaten stationiert, und das Land ist eng in die russisch-geführte Wirtschaftsgemeinschaft Eurasische Union eingebunden.

Doch Moskau macht auch gute Rüstungsgeschäfte mit Aserbeidschan, das dank seiner Öleinnahmen aufgerüstet hat. Russland kann mit einem eingefrorenen Konflikt im Südkaukasus am besten leben. Zumal das Land von der Ukraine bis in die Gebirgsregion im Süden eine Reihe solcher Konflikte an seinen Grenzen hat. Russische Politiker sind deshalb auf dem Weg in die Hauptstädte Baku und Eriwan, um zu vermitteln.

Nüchtern betrachtet kann die Türkei im russischen Hinterhof ohnehin nichts gewinnen. Angesichts der blutigen Kämpfe gegen die kurdische Terrorgruppe PKK und der Kriege in Syrien und im Irak kann das Land keine weitere Front in seiner Nachbarschaft gebrauchen. Doch Erdogans anhaltende nationalistische Rhetorik könnte ihn unter Zugzwang setzen.

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