Kommentar zum Krieg in Syrien
Syrien zeigt die Gleichgültigkeit der Weltgemeinschaft

Hölle, Barbarei, Kriegsverbrechen - diese Vokabeln fallen nicht zum ersten Mal im Zusammenhang mit dem Krieg in Syrien. Zur Erinnerung: Im April 2015, als die Terrormiliz IS in den Damaszener Stadtteil Yarmouk eindrang, der aus einem palästinensischen Flüchtlingslager entstanden war, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon: "Im syrischen Horror ist das Flüchtlingslager Yarmouk die tiefste Hölle."

Nur: Zum damaligen Zeitpunkt waren bereits mehr als hundert Menschen verhungert, weil Yarmouk seit 2013 blockiert wird. Lebensmittel gelangen bis heute kaum hinein. Yarmouk ist kein Einzelfall. Es gibt Dutzende solche Orte. Manche von Regierungstruppen belagert, manche von Rebellen, manche vom IS.

Die Aufmerksamkeit der Welt erreichte Yarmouk damals nur, weil der IS sein Vordringen wie üblich mit Gewaltvideos inszenierte. Gräueltaten verüben alle Kriegsparteien, doch nur der IS nutzt sie für seine Propaganda. Deshalb weiß der Westen davon. Napalm, Phosphor, Fassbomben und gezielte Angriffe auf zivile Helfer gibt es seit Beginn des Krieges - ohne, dass sich die Welt empörte.

Nicht nur Syrern drängt sich der Eindruck auf, das tägliche Sterben in ihrem Land lässt die Weltgemeinschaft kalt. Sie fühlen sich in ihrem Elend von allen verlassen und vom Westen verraten. Nun, da die Millionenstadt Aleppo betroffen ist, kann die Welt nicht mehr wegschauen. Doch will sie handeln? Wo gibt es Proteste? Ist der Westen bereit, Verantwortung zu übernehmen? Die Vereinten Nationen können es nicht. Sie sind durch die Vetomächte blockiert.

Nichts beleuchtet die Ohnmacht der UN und die Wirkungslosigkeit des internationalen Rechts mehr als die verzweifelten Appelle der UN. "Die einzige Konstante im gewalttätigen unvorhersagbaren Konflikt ist, dass keine Seite gewinnen wird, und dass die syrischen Menschen verlieren, und sie verlieren ihr Leben, Tag für Tag", beklagt der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura.

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